Soziale Probleme
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Published By Springer-Verlag

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2021 ◽  
Author(s):  
Fabian Virchow

ZusammenfassungDer Beitrag entwickelt anhand zahlreicher Beispiele rechtsterroristischer Gewalt eine Systematisierung instrumenteller Zielsetzungen rechtsterroristischen Handelns. Dabei ruft er zunächst als zentrale weltanschauliche Referenz den völkischen Nationalismus auf, dem biopolitische Paradigmen inhärent sind, denen mittels rechtsterroristischer Gewalt Geltung verschafft werden soll. Dieses ist für eine Vielzahl rechtsterroristischer Gewalttaten zentral, denen es um die Aufrechterhaltung rassistischer, sexistischer und heteronormativer Gesellschaftsverhältnisse geht. Regelmäßig ist solche Gewalt auch als Botschaftsverbrechen zu verstehen, wobei ganz unterschiedliche Modi der Kommunikation beobachtbar sind. Rechtsterroristische Gewalt – sofern sie nicht parastaatlich verfasst ist – hat nicht die direkte Schwächung der Kampffähigkeit des Gegners zum Ziel, sondern zielt auf Bestrafung, Einschüchterung und Vertreibung ausgewählter sozialer Gruppen und Individuen sowie in manchen Fällen auf das strategische Moment der Zuspitzung gesellschaftlicher Konflikte, wie im abschließenden Teil des Beitrages an zahlreichen Beispielen gezeigt wird.


2021 ◽  
Author(s):  
Mechthild Bereswill ◽  
Gabriele Fischer

2021 ◽  
Author(s):  
Juliane Lang
Keyword(s):  

ZusammenfassungFrauenfeindlichkeit und Frauenhass spielten eine relevante Rolle in rechtsterroristischen Anschlägen der vergangenen zehn Jahre. In der Folge fanden geschlechterrelevante Perspektiven zunehmend Eingang in das Reden über rechten Terror. Der Beitrag untersucht die widersprüchlichen Effekte des Redens über Frauenhass und rechten Terror in neueren Debatten. Nachgezeichnet wird eine Kontinuität des Verbesonderns rechter und frauenfeindlicher Gewalt sowie eine Entlastung der Mehrheitsgesellschaft von einer Mitverantwortung für rechten Terror.


2021 ◽  
Author(s):  
Gabriele Fischer

ZusammenfassungMit der Selbstenttarnung des NSU entwickelte sich ein gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Diskurs, der auf die Kontinuitäten rechtsextremen Terrors in der Bundesrepublik verweist. Nach aktuellem Kenntnisstand wurden seit 1945 ca. 300 Personen von rechtsextremen Täter:innen ermordet. Nur für wenige Opfer gibt es ein öffentliches und damit gesellschaftliches Gedenken und Erinnern. Der Beitrag nimmt einen praxeologischen Fokus ein und rekonstruiert anhand eines Falles in Baden-Württemberg Praktiken des doing memory. Dabei zeigt sich, wie der rechtsextreme Terroranschlag zum isolierten Problem konstruiert wird, das einer Lösung bedarf, um zu einer hegemonialen Vorstellung von Normalität zurückkehren zu können. Da Erinnern hier ein störendes Moment darstellen würde, lässt sich von einem undoing memory sprechen.


2021 ◽  
Author(s):  
Franz Zahradnik
Keyword(s):  

ZusammenfassungStrafrechtlich verurteilte Personen machen während einer Freiheitsstrafe sowie nach der Entlassung häufig Stigmatisierungserfahrungen, die den Reintegrationsprozess herausfordern und durchkreuzen können. Auf der Grundlage von Längsschnittinterviews mit strafrechtlich verurteilten Männern in der Schweiz werden deren subjektive Erfahrungen in Hinblick auf Stigmatisierung, die sie über mehrere Jahre hinweg in unterschiedlichen sozialen Kontexten gemacht haben, sowie ihre Verarbeitungsweisen derselben untersucht. In der kategorialen Auswertung des Gesamtsamples zeigt sich eine Korrespondenz von gehäuften Stigmatisierungserfahrungen und tendenziell sich stabilisierenden Reintegrationsverläufen. Es deutet sich an, dass gerade diejenigen, die eine ausgeprägte Reintegrationsorientierung zeigen, Situationen mit Stigmatisierungspotenzial etwa im Bereich der Arbeits- und Wohnungssuche nicht von vornherein auszuweichen versuchen, sondern diesen aktiv entgegentreten. Die dauerhafte Bewältigung solch herausfordernder und teils diskreditierender Situationen ist aber voraussetzungsvoll und gelingt nicht allen interviewten Männern gleichermaßen. Des Weiteren wird herausgearbeitet, welche Stigmatisierungserfahrungen die Interviewten in unterschiedlichen sozialen Kontexten und Phasen des Reintegrationsprozesses machen. Dabei zeigt sich, dass Stigmatisierungen nicht immer offen zutage treten, sondern von den Interviewten häufig antizipiert werden. Aktenkundige Stigmaeigenschaften hingegen werden dann offensichtlich, wenn ein Strafregisterauszug vorgelegt werden muss. Die damit verbundene Diskriminierung aber bleibt auf der Interaktionsebene zumeist verdeckt.


2021 ◽  
Author(s):  
Steffen Zdun

ZusammenfassungObwohl interethnische Freundschaften seit Jahren in der deutschen Soziologie thematisiert werden, handelt es sich meist eher um Defizitdiskurse bzw. eine Beschäftigung mit interethnischen Begegnungen in verschiedenen Settings und deren Auswirkungen auf das Individuum. Hingegen ist die darüber hinausgehende Offenheit für interethnische Freundschaften von Jugendlichen in marginalisierten Stadtteilen eine relativ neue Entwicklung hierzulande und deshalb auch ein empirisch relativ blinder Fleck. Der vorliegende Beitrag widmet sich diesem Trend auf der Datengrundlage einer qualitativen Explorativstudie, in deren Rahmen 45 Jugendliche aus sechs deutschen Städten befragt wurden. Die Ergebnisse geben Einblick in diese Offenheit der Jugendlichen und das Selbstverständnis, mit dem sie in Freundschaften mit lokalen Peers praktiziert wird.


2021 ◽  
Author(s):  
Kaan Atanisev ◽  
Rita Haverkamp

ZusammenfassungIm Münchner Bahnhofsviertel gibt es eine „Tagelöhnerbörse“, die viel Unmut unter Anwohnenden und Gewerbetreibenden hervorruft. Die überwiegend aus Bulgarien stammenden „Tagelöhner“ sind dabei vielfältigen Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen ausgesetzt, die zum Teil aus ihrer Angehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit resultieren. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass ihre ethnische Zugehörigkeit komplexer und vielschichtiger ist, als man auf den ersten Blick erahnt. Im Beitrag steht die Frage nach der Rolle der ethnischen Zugehörigkeit der „Tagelöhner“ im Mittelpunkt, um anhand ethnografischer Feldgespräche und Interviews die Aushandlungsprozesse von Zugehörigkeit im multiethnischen Bahnhofsviertel nachzuzeichnen. Nach einer Beschreibung der „Tagelöhner“ im Münchner Bahnhofsviertel wird die soziokulturelle Lage der ethnischen Minderheiten in Bulgarien dargestellt. Aus der von Uneindeutigkeit charakterisierten Zugehörigkeit der „Tagelöhner“ ergeben sich sowohl Vor- als auch Nachteile im Umgang mit den Gewerbetreibenden und Anwohnenden des Bahnhofsviertels. Abschließend wird die Illegalisierung der „Tagelöhnerbörse“ und deren Auswirkungen auf die Stellung der „Tagelöhner“ diskutiert.


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