ZusammenfassungAntikörper gegen das antikoagulatorisch wirkende Annexin V, das in der Plazenta vorkommt, wurden in aktuellen Arbeiten in Zusammenhang mit rezidivierenden Aborten oder wiederholten Fehlversuchen von In-vitro-Fertilisierungen (IVF) gebracht und zum Teil kontrovers diskutiert. Patientinnen, Material, Methoden: Wir untersuchten die Plasmen von 56 Frauen (mittleres Lebensalter 34,7 Jahre) mit wiederholten IVF-Fehlversuchen und/oder rezidivierenden Frühaborten auf APC-Resistenz, Lupusantikoagulanzien und Antikörper gegen Annexin V, Cardiolipin oder β2-Glykoprotein-1. Ergebnisse: Das Vorkommen von APC-Resistenz war mit 14% (8/56) am häufigsten, gefolgt von erhöhten Antikörperspiegel gegen Cardiolipin (IgG/ IgM) mit 12% (7/56), Antikörper gegen β2-Glykoprotein-1 (3/56, 5%) und Annexin-V (1/56, 2%). 42 (75%) dieser Patientinnen hatten einen weiteren IVF-Versuch und erhielten niedermolekulares Heparin und/oder Azetylsalizylsäure im Falle einer APC-Resistenz, eines Lupusantikoagulanz oder eines erhöhten Antikörperspiegels gegen Cardiolipin oder β2-Glykoprotein-1. Bei den neuerlichen IVF-Versuchen resultierten 19 (34%) Schwangerschaften, davon nur 4 Frühaborte (7%). Die einzige Patientin mit erhöhter Anti-Annexin-V-Konzentration, die davor 7 frustrane IVF-Versuche hatte, erhielt während des 8. IVF-Versuchs 40 mg Enoxaparin (Lovenox®) einmal täglich subkutan und wurde schwanger. Diskussion, Schlussfolgerung: Unsere Ergebnisse zeigen, dass bei Frauen mit häufigen IVF-Misserfolgen eine Anti-Annexin-V-Positivität weitaus seltener vorkommt als APC-Resistenz, Lupusantikoagulanzien oder erhöhte Antikörperspiegel gegen Cardiolipin oder β2-Glykoprotein. Das IVF-Ergebnis von Frauen mit APCResistenz, Lupusantikoagulanzien oder erhöhte Antikörperspiegel gegen Cardiolipin oder β2-Glykoprotein scheint durch niedermolekulares Heparin positiv beeinflusst zu werden.