ZusammenfassungÜber einen möglichen Zusammenhang zwischen psychologischem
Stress, Immunsystem und Autoimmunität wird schon lange debattiert.
Erkenntnisse aus der Grundlagen- und epidemiologischen Forschung, die das
Verständnis für diesen komplexen Zusammenhang
erhöhen werden in dieser kurzen Übersicht zusammengestellt.
Zunächst werden bekannte anatomisch-physiologische Grundlagen
für einen Zusammenhang zwischen psychologischem Stress und
Immunsystem dargestellt. Es wird beschrieben, dass die Interaktion zwischen
Gehirn über autonomes Nervensystem und Hormonsystem bis zur
Immunzelle mit entsprechenden Rezeptoren für Neurotransmitter und
Hormone mittlerweile bis auf die molekulare Ebene gut beschrieben ist. Im
Rahmen der akuten Stressreaktion treten charakteristische
Veränderungen im Immunsystem auf, die ebenfalls gut dokumentiert
sind. In einem zweiten Teil wird dann beschrieben welche
Veränderungen im Rahmen einer chronischen Stressbelastung am
Immunsystem auftreten können und zuletzt wird diskutiert inwiefern
diese Veränderungen auch für pathophysiologische
Zustände des Immunsystems, z. B. im Rahmen von
Autoimmunerkrankungen, relevant sein könnten. Zusammenfassend
führt akuter Stress, im Sinne der optimalen Vorbereitung einer
fight&flight Situation, zu einer Steigerung der Immunfunktion
v. a. der humoralen Immunität, wohingegen die Auswirkungen
von chronischem Stress weniger klar definiert sind und es eher zu einer
Immundysregulation mit verminderter basaler Immunfunktion, v. a. der
zytotoxischen Funktion aber einer gesteigerten Reaktion nach Aktivierung,
v. a. im angeborenen Immunschenkel kommt. Epidemiologische Daten
belegen gut, dass chronischer Stress zu einer erhöhten
Suzeptibilität für Autoimmunerkrankungen führt.
Erste klinische Anwendungen, wie beispielsweise die gezielte neuronale
Stimulation des N. vagus sind in Erprobung, für einen breiteren
klinischen Einsatz sollten aber die biologischen Netzwerkstrukturen noch
besser verstanden werden, um die besten Angriffspunkte zu finden.