ZusammenfassungDie Suche nach kausalen Therapieoptionen für degenerative Netzhauterkrankungen kann mit einem detaillierten Verständnis pathologischer Vorgänge gezielt vorangetrieben werden. Alternativ kann sie sich auch auf einen eher ungerichteten Suchansatz für therapeutische Wirkstoffe verlassen. Für beide Forschungsansätze werden In-vitro- und, falls möglich, auch In-vivo-Krankheitsmodelle benötigt, die eine möglichst genaue Abbildung des primären Ortes der Schädigung reflektieren. Tiermodelle unterliegen Einschränkungen und können oft nur dezidierte Aspekte eines komplexen Krankheitsprozesses abbilden. Primärkulturen von Zelltypen des hinteren Augenpols sind lediglich invasiv bzw. post mortem zugänglich und aufgrund ihrer raschen Seneszenz nur ungenügend geeignet für zeitlich anspruchsvolle Analysen oder pharmakologische Suchansätze. Immortalisierte retinale Zelllinien wiederum unterscheiden sich in einigen Aspekten zu sehr von den nativen Zelltypen. Eine vielversprechende Alternative bieten induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs). Sie sind wenig invasiv zugänglich, patientenspezifisch generierbar, uneingeschränkt vermehrbar und können aufgrund ihrer Pluripotenz bereits jetzt in einige retinale Zelltypen gezielt ausdifferenziert werden. Diese iPSC-abgeleiteten retinalen Zellen gleichen nativen Zellen in vielen charakteristischen Schlüsseleigenschaften. In diesem Übersichtsartikel werden bereits etablierte In-vivo-und In-vitro-Krankheitsmodelle degenerativer Netzhauterkrankungen vorgestellt und das Potenzial von iPSCs für eine personalisierte In-vitro-Modellierung ausgeleuchtet. Darüber hinaus werden bisher etablierte iPSC-abgeleitete Zelltypen des hinteren Augenpols – insbesondere Zellen des retinalen Pigmentepithels – detaillierter betrachtet und ein Ausblick für das Potenzial dieser Zellen in der allgemeinen ophthalmologischen Forschung gegeben.