robert schindel
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2017 ◽  
Vol 40 (3) ◽  
pp. 261-276
Author(s):  
Birthe Hoffmann

Eine Stadt als einen Topos zu betrachten, in dem Raum und Zeit, Realität und Mythos, Text und Materialität miteinander verschränkt sind, ist keine Erfindung der neueren Kulturwissenschaften. Diese Sichtweise gehört seit dem 19. Jahrhundert zur Chronotopie literarischer Werke, die nicht nur Zeit und Raum im Medium des Textes repräsentieren und reflektieren, sondern sich auch in die Stadt als Textstadt einprägen. So hat sich zum Beispiel Thomas Bernhard und der Skandal um die Aufführung seines Dramas Heldenplatz im Jahre 1988 ebenso in die Geschichte dieses Ortes eingeschrieben wie die Heeresparaden der Monarchie, der österreichische Bürgerkrieg der 1930er Jahre und die von Massen umjubelte Rede Hitlers 1938. Es ist alles da, geisterhaft zugleich an- und abwesend, wie überhaupt diese Stadt eine geisterhafte Erscheinung ist, das Haupt eines nicht mehr existierenden Riesenkörpers, der Schein einer vergangenen Größe. Der Heldenplatz, symbolischer Ort der mehr oder weniger gewaltsamen Auseinandersetzungen um die staatliche und geistige Macht, ist somit Sinnbild eines nicht beendeten Kulturkampfes, der auch im Bedenkjahr 1988 Wellen geschlagen hat.


Author(s):  
Alexander Höllwerth
Keyword(s):  

Um Schuldverstrickungen und Identitätssuche zwischen den Generationen geht es in allen drei Texten, auf die im vorliegenden Artikel genauer eingegangen wird: Robert Schindels Gebürtig (1992), Doron Rabinovicis Suche nach M. (1997) und Martin Pollacks Der Tote im Bunker (2004). Alle drei Autoren gehören der sog. ‚zweiten Generation‘ nach der Shoah an: Robert Schindel (geb. 1944) und Doron Rabinovici (geb. 1961) sind Nachgeborene von Opfern der Shoah, Martin Pollack (geb. 1944) ist der Sohn eines NS-Verbrechers. Alle drei Autoren positionieren sich innerhalb der österreichischen Literatur nicht zuletzt dadurch, dass sie einen Beitrag zur Aufarbeitung der österreichischen Beteiligung am Verbrechen der Judenvernichtung zu leisten versuchen.


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