Kehlmann, Daniel. Tyll. Reinbek: Rowohlt 2017, 480 Seiten.
Abstract Seit Monaten steht der im Oktober 2017 erschienene Roman Tyll auf der Bestsellerliste des Spiegels. Allenthalben wird Daniel Kehlmanns Buch gelobt. Nach Die Vermessung der Welt (2005) ist ihm offensichtlich wieder ein überaus erfolgreicher historischer Roman gelungen und wieder arbeitet der Autor mit einigen schriftstellerischen Kunstgriffen. Kehlmann versetzt die Geschichte von Tyll Ulenspiegel in den Dreißigjährigen Krieg. Ein taktisch kluger Schachzug, denn 2018 wird dieser ,,deutschen Tragödie 1618–1648“ gedacht. Eines der informativen Hefte ZEITGeschichte erinnert an dieses historische Ereignis und lässt auch den Schriftsteller als Sachverständigen zu Wort kommen, befragt ihn, was ihn am Dreißigjährigen Krieg interessiert, welche Historiker ihm bei den Recherchen halfen und welche Literaten ihn inspirierten: Friedrich Schiller, Alfred Döblin, Golo Mann, Cecile Veronica Wedgewood, Ricarda Huch und Bertolt Brecht : eine ebenso illustre wie bunte Mischung. Der Dreißigjährige Krieg, so erläutert Kehlmann ,,ist eine Zeit der Gärung. Unendlich viel verschwindet, aber manch Neues entsteht – darunter auch die deutsche Sprache, wie wir sie kennen und verwenden, und in den Gedichten von Fleming und Gryphius entsteht die deutsche Literatur.“ (Kehlmann 2017, 98)