Zeitschrift für Ideengeschichte
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Published By C.H. Beck

1863-8937

2021 ◽  
Vol 15 (2) ◽  
pp. 125-128
Author(s):  
Béatrice von Hirschhausen

In einem kleinen Museum in Wörth, etwa 50 Kilometer nördlich von Straßburg gelegen, ruht der eindrucksvolle Bronzekopf des Deutschen Kaisers Friedrich III. in einer Vitrine. Er ist das Werk Max Baumbachs und das einzige Überbleibsel einer monumentalen Reiterstatue, die das Kaiserreich 1895 zur Erinnerung an den preußischen Sieg in der Schlacht bei Wörth errichten ließ – jener Schlacht, die im August 1870 durch die Niederlage der Truppen Napoleons III. den Weg zum deutschen Sieg ebnete. Mehr als 20 000 Leben kostete diese Schlacht an einem einzigen Tag: Deutsche, Franzosen, aber auch sogenannte «Turcos» – Soldaten, die aus den Kolonien Nordafrikas gerufen wurden, um in Frankreichs vordersten Linien zu stehen – fielen im Feld. Das Bildnis des reitenden Feldherren, der seine Truppen überlegen zum Sieg führte, überragte mit seinen zwölf Metern Höhe fast fünfzig Jahre lang das einstige Schlachtfeld.


2021 ◽  
Vol 15 (1) ◽  
pp. 125-126
Author(s):  
Karl-Heinz Kohl

Eigentlich war es nur die für die Generation von 1968 typische Verweigerungshaltung, die meinem Entschluss zugrunde lag, mich gleich nach dem Abitur in Erlangen für ein so brotloses Fach wie die Religionsgeschichte einzuschreiben. Die Wahl habe ich nicht bereut, aber die großen Ereignisse spielten sich damals woanders ab.


2021 ◽  
Vol 15 (2) ◽  
pp. 119-124
Author(s):  
Pascale Hugues
Keyword(s):  

Pascale Hugues: Deutsches Glück, München: DVA 1999, 237 S. – Marthe und Mathilde. Eine Familie zwischen Frankreich und Deutschland, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2008, 286 S. – Ruhige Straße in guter Wohnlage. Die Geschichte meiner Nachbarn, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2013, 320 S. – Deutschland à la française, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2017, 208 S. Sie sind in Straßburg geboren und haben dort ihre Kindheit und Jugend verbracht. In welchem Viertel der Stadt sind Sie aufgewachsen? Aufgewachsen bin ich in der Rue de la Douane, das ist fünf Minuten vom Münster entfernt, gegenüber dem Historischen Museum. Erst im Alter von 24 Jahren bin ich endgültig aus Straßburg weggezogen.


2021 ◽  
Vol 15 (1) ◽  
pp. 118-120
Author(s):  
Florian Hoffmann

Lateinamerika steht in mehrfacher Hinsicht sowohl am Anfangs- wie auch am Endpunkt des Kolonialismus: am Anfang zum einen, da zumindest aus der Perspektive lateinamerikanischer Autoren die Entdeckung Amerikas nicht nur den eigentlichen Ausgangspunkt des modernen Kolonialismus darstellt. Zum anderen steht Lateinamerika aber auch am Anfang der Dekolonisation, die dort überwiegend bereits im 19. Jahrhundert stattfand und zur Überführung der einstigen spanischen und portugiesischen Kolonien in unabhängige Gemeinwesen führte, die nominell dem Muster europäischer Nationalstaaten folgten, faktisch aber vom Kolonialismus im Inneren und Äußeren gezeichnet blieben.


2021 ◽  
Vol 15 (3) ◽  
pp. 46-49
Author(s):  
Karl-Siegbert Rehberg

Bruchlos fast hatte sich – wie viele Menschen nach dem Zusammenbruch des Hitlerreichs – der damals 33jährige Soziologe Helmut Schelsky, der 1929 dem mit der Jugendbewegung verbundenen NS-Schülerbund beigetreten war und wenige Wochen vor dem Kriegsende einen nicht mehr realisierbaren Ruf an die «Reichs-universität Straßburg» erhalten hatte, in die neuen Verhältnisse der Besatzungszonen und dann der Bundesrepublik Deutschland eingepasst. Während er den Suchdienst des Roten Kreuzes aufbaute, hatte der ehemalige Philosoph sich gemeinsam mit Arnold Gehlen in einem Crashkurs in der Karlsruher American Library sofort amerikanische Literatur zur Soziologie und Ethnologie angeeignet und verfügte damit über Kenntnisse der nun als bestimmend geltenden Sozialwissenschaften (anders als dies – bitter genug – für viele der ins Exil gezwungenen Fachvertreter galt).


2021 ◽  
Vol 15 (3) ◽  
pp. 49-51
Author(s):  
Florian Meinel

In der Einleitung «Wozu noch Philosophie?» zu den Philosophisch-politischen Profilen (1971) bemerkt Jürgen Habermas über die Fixierung der Nachkriegsphilosophie auf den Faschismus, die «Gewalt dieses objektiven Vorgangs» habe alle Lager polarisiert: das der Exilierten ebenso wie das der inneren Emigranten und der «intellektuellen Vorreiter oder temporären Nothelfer des Regimes wie Heidegger, Freyer und Gehlen.» Freilich, so fährt Habermas fort, «hätte diese biographische Hypothek ihr Gewicht nicht über zwei Jahrzehnte behalten können, wenn nicht das Problem der mittelbaren intellektuellen Urheberschaft politischer Verbrechen [...] bestanden hätte und als systematische Frage doch zugleich unerledigt geblieben wäre.»


2021 ◽  
Vol 15 (4) ◽  
pp. 17-24
Author(s):  
Enrico Müller

Variatio delectat. Dem historisch interessierten Münzfreund ist der fünfzig Jahre währende Totentanz, der in der früheren Geschichtsschreibung gern als das «Zeitalter der Soldatenkaiser» angesprochen wurde, ein beglückend vielgestaltiges Feld. Er sieht sich einer zur «Weltkrise» aufgewerteten Dauerdepression des Römischen Reichs gegenüber, deren numismatische Zeugnisse ihn durch ihren Abwechslungsreichtum von etwa siebzig Kaisern und Kaiserinnen, Gegenkaisern und Separatisten gleichermaßen verwirren und erfreuen. Zwischen dem schicksalsträchtigen Sechskaiserjahr 235, in dem mit dem Thraker Maximinus der erste Berufssoldat zum Augustus ausgerufen wird, und der Machtübernahme eines dalmatischen Legionsführers namens Diocles 284 vergehen insgesamt kaum fünfzig Jahre. Angezeigt ist damit ein Zeitraum, in dem die galoppierende Münzverschlechterung des Leitnominals, des von Caracalla eingeführten Doppeldenars, nur noch durch die Geschwindigkeit in der Abfolge von Usurpationen übertroffen wird. Positiv gewendet ließe sich immerhin konstatieren, dass kein Imperium der Geschichte in so kurzer Zeit so viele Herrscher hervorgebracht hat.


2021 ◽  
Vol 15 (4) ◽  
pp. 69-84
Author(s):  
Michael Glasmeier
Keyword(s):  

Die deutsche Renaissance hat eine Fülle bemerkenswert extremer Bildäußerungen hervorgebracht. Neben den gemäßigten Albrecht Dürer oder Hans Holbein sind es beispielsweise Albrecht Altdorfer, Matthias Grünewald, Hans Schäufelin, Martin Schongauer oder Konrad Witz, die insgesamt zwischen Humanismus und Reformation, neuem Bürgertum und abgewirtschafteten Adel, Bildverehrung und Ikonoklasmus laborierten und mit teilweise möglichst unsublimierten Darstellungen die sinnliche und brutale Erfahrung von Körperhaftigkeit ins Zentrum ihres Wirkens stellen. Diesem Kreis ist auch der äußerst spezielle Hans Baldung Grien (1484/85–1545) zuzurechnen, dem unter dem Titel heilig | unheilig 2019 die große Landesausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe gewidmet war.


2021 ◽  
Vol 15 (4) ◽  
pp. 43-47
Author(s):  
Jochen Hörisch

Zu den Prunkzitaten gehört die Zeile aus Goethes 1820 veröffentlichtem Gedicht Urworte. Orphisch / Daimon von der «geprägten Form, die lebend sich entwickelt». Sie auf geprägte Münzen zu beziehen, mag abwegig erscheinen – obwohl der Schöpfer dieses Verses jahrzehntelang Finanzminister war und sich vielfach von Problemen der Münzprägung und der Emission von Papiergeld fasziniert zeigte. Die vorangehende Zeile, die beschwört, dass keine Zeit und keine Macht diese geprägte Form zerstückeln können, scheint jede ökonomische Lesart der Formel von der «geprägten Form» auszuschließen. Nicht ganz abwegig aber ist es, eine Passage aus Heinrich Heines 1826 erschienenen Reisebildern auf Goethes berühmtes Gedicht zu beziehen und als frivole Umschrift der klassischen Zeilen zu verstehen.


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