scholarly journals Kinder und Jugendliche aus Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil

Paediatrica ◽  
2021 ◽  
Vol 32 (4) ◽  
Author(s):  
Kurt Albermann ◽  
Brigitte Müller

Kinder und Jugendliche mit einem psychisch erkrankten Elternteil sind mehr Belastungen ausgesetzt und haben ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst psychische Störungen zu entwickeln. Weltweit sind ca. 15 bis 23% aller Kinder betroffen, auf die Schweiz übertragen entspricht dies ungefähr 300‘000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren 1,2). In diesem Beitrag werden die Auswirkungen einer elterlichen psychischen Erkrankung auf die Gesundheit der betroffenen Kinder und Jugendlichen beschrieben. Zudem wird aufgezeigt, wie sich diese erkennen lassen und wie Kinder und Familien ressourcenorientiert unterstützt werden können.

Author(s):  
Meryam Schouler-Ocak ◽  
Iris T. Graef-Calliess ◽  
Malek Bajbouj ◽  
Paul L. Plener

Zusammenfassung. Kinder und Jugendliche mit Migrations- und Fluchthintergrund unterliegen einerseits diversen gesundheitlichen, psychosozialen, soziokulturellen sowie ökonomischen Belastungen, die Prävalenz, Manifestation, Verlauf und Behandlung sowie die Prognose von psychiatrischen Erkrankungen beeinflussen können, und sind andererseits in der Inanspruchnahme und Behandlung durch zahlreiche Zugangsbarrieren im Vergleich zu Einheimischen deutlich benachteiligt. Die Transitionslücke verschärft die Situation. Zur Verbesserung der Versorgungssituation werden in Analogie zur Situation bei jungen Erwachsenen auch für Kinder und Jugendliche mit Migrations- und Fluchthintergrund Forderungen aufgestellt. So werden im stationären Rahmen bei ihrer unzureichenden Versorgung die Etablierung sogenannter Adoleszentenstationen unter kinder- und jugend- und erwachsenenpsychiatrisch-psychotherapeutischer Leitung und mit entsprechender pflegerischer und therapeutischer Personalausstattung sowie in Anlehnung an ein Entlassmanagement ein sog. „Transitionsmanagement“ im klinischen Alltag sowie der Erwerb von interkultureller Kompetenz empfohlen.


Author(s):  
Katharina Hellwig ◽  
Christoph Kröger ◽  
Stefanie Franke ◽  
Matthias Wehrmeyer ◽  
Nina Heinrichs

Zusammenfassung. Fragestellung: Die deskriptive Untersuchung von Anträgen auf Opferentschädigung für Kinder und Jugendliche sowie der soziodemografischen und traumaspezifischen Daten der Betroffenen. Methodik: Eine Analyse von 100 Akten der Opferentschädigung von Kindern und Jugendlichen mittels eines selbstentwickelten Kategoriensystems. Ergebnisse: Die Akten beinhalten ausschließlich interpersonelle Traumata, wovon 59 % Typ-II-Traumata sind. Die häufigste Gewaltform ist sexuelle Gewalt. Die Täter sind überwiegend Personen aus dem häuslichen Umfeld. Bei 79 % der Opfer wurden psychische Störungen diagnostiziert, am häufigsten die Posttraumatische Belastungsstörung. Schlussfolgerungen: Sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche machen einen Großteil der Zielgruppe von kinder- und jugendpsychotherapeutischen Traumaambulanzen nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) aus. Solche Traumaambulanzen sollten demnach eine spezifische Expertise in der psychotherapeutischen Behandlung dieser Kinder und Jugendlichen anbieten.


Author(s):  
Kathrin Rothmann ◽  
Jana-Mareike Hillmer ◽  
Daniela Hosser

Fragestellung: Die vorliegende Studie überprüft die Wirksamkeit des Musikalischen Konzentrationstrainings mit Pepe (MusiKo mit Pepe) für fünf- bis zehnjährige Kinder mit Aufmerksamkeitsproblemen. Methodik: In einem Prä-Post-Kontrollgruppendesign (N = 108) wurden Veränderungen der Aufmerksamkeitsleistung mittels der Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung für Kinder (KiTAP) sowie Veränderungen der kindlichen Lebensqualität mittels des Fragebogens für Kinder (KINDL-R) erfasst. Zusätzlich wurden Fremdbeurteilungsbögen zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (FBB-ADHS) sowie zur Störung des Sozialverhaltens (FBB-SSV) des Diagnostik-Systems für psychische Störungen nach ICD-10 und DSM-IV für Kinder und Jugendliche II und der Eltern- und der Lehrerfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen (CBCL, TRF) eingesetzt. Ergebnisse: Es zeigen sich für die am Training teilnehmenden Kinder im Vergleich zu der Kontrollgruppe über die Zeit signifikante Verbesserungen der Aufmerksamkeitsleistung sowie der Lebensqualität. Darüber hinaus ergibt sich eine signifikante Reduktion der ADHS-Symptomatik im Eltern- und Lehrerurteil sowie eine Verminderung der Internalisierenden Probleme im Elternurteil. Die Behandlungseffektivität ist unabhängig von Alter, Geschlecht, Intelligenz und Migrationshintergrund der teilnehmenden Kinder. Schlussfolgerung: Das musikbasierte Trainingsprogramm MusiKo mit Pepe stellt eine wirkungsvolle Maßnahme zur Behandlung von Aufmerksamkeitsproblemen dar, sollten sich diese Effekte in Replikationsstudien bestätigen.


Author(s):  
Anna Besser ◽  
Mirko Döhnert ◽  
Stephanie Stadelmann

Zusammenfassung. Fragestellung: Der sozioökonomische Status (SES) stellt einen wichtigen Risikofaktor für psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter dar. In der Forschung werden unterschiedliche SES-Parameter verwandt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den prädiktiven Wert unterschiedlicher SES-Einzelfaktoren und deren Kombination bezüglich internalisierender und externalisierender Störungsbilder im Kindes- und Jugendalter zu prüfen. Methodik: Untersucht wurden n = 381 8- bis 14-jährige Kinder und Jugendliche, die an Kinder- und Jugendpsychiatrien und aus der Bevölkerung rekrutiert wurden. Es erfolgte eine diagnostische Gruppenzuordnung mittels diagnostischem Elterninterview (K-SADS-PL) in eine Probandengruppe mit rein internalisierenden und rein externalisierenden Störungen sowie in eine Gruppe gesunder Kontrollprobanden. Die sozioökonomischen Daten beider Eltern wurden anhand eines Fragebogens erhoben. Bildung, Berufsstatus und Einkommen wurden als Einzelfaktoren und kombiniert als SES-Index einbezogen. Zusätzlich wurde Arbeitslosigkeit erfragt. Ergebnisse: In multivariaten Analysen, kontrolliert für Alter und Geschlecht, erwiesen sich alle Einzelfaktoren als signifikante Risikofaktoren für internalisierende und externalisierende Störungen. Von den Einzelfaktoren erwies sich der Berufsstatus als bedeutsamster Prädiktor. Die Varianzaufklärung des SES-Index war genauso hoch wie für den Berufsstatus. Die Arbeitslosigkeit leistete bei gleichzeitiger Berücksichtigung des Gesamt-SES keine zusätzliche Varianzaufklärung. Schlussfolgerungen: Zukünftige Studien, die den SES als Risikofaktor erfassen, sollten einen SES-Index oder als SES-Einzelfaktor den Berufsstatus nutzen. Die Arbeitslosigkeit muss nicht zwingend zusätzlich erfasst werden.


2019 ◽  
Vol 5 (3) ◽  
pp. 330-346
Author(s):  
Stefanie Bienioschek ◽  
Hanna Weckler ◽  
Jörg M. Fegert ◽  
Michael Kölch

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann zu fetalen Alkoholspektrumsstörungen (FASD) führen. Diese sind sowohl durch körperliche Stigmata wie Mikrozephalie oder Minderwuchs gekennzeichnet, vor allem aber führen neurokognitive Defizite und psychische Störungen zu Beeinträchtigungen bei den Betroffenen. Sozialrechtlich gibt es eine Vielzahl von Zuständigkeiten, die von der Krankenbehandlung (SGB V) über die Frühförderung bis hin zu Maßnahmen der Eingliederungshilfe reichen. Die präzise individuelle Diagnostik möglicher Folgestörungen und daraus folgender Beeinträchtigungen ist unerlässlich. Betroffene mit FASD sind ein typisches Beispiel für Zuordnungsprobleme im Rahmen der geteilten Zuständigkeit bei der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte und anderweitig behinderte Kinder und Jugendliche.


2001 ◽  
Vol 12 (4) ◽  
pp. 336-349 ◽  
Author(s):  
U. Müller

Zusammenfassung: Emotionale Störungen sind häufige und klinisch bedeutsame Folgeerscheinungen nach erworbener Hirnschädigung. In den letzten Jahren sind zahlreiche Original- und Übersichtsarbeiten zu epidemiologischen, pathophysiologischen und therapeutischen Aspekten neuro-psychiatrischer Störungen erschienen. Ausgehend von diagnostischen Überlegungen gibt die vorliegende Arbeit eine aktuelle Übersicht zur Pharmakotherapie von Depressionen, emotionaler Instabilität (pathologisches Weinen), organischer Manie (bipolarer Störung), Angststörungen und Antriebsstörungen (Apathie). Patienten mit Schlaganfall und traumatischer Hirnschädigung stehen im Mittelpunkt, so wie in der Forschungs- und Lehrbuch-Literatur. Psychische Störungen bei neurodegenerativen und systemischen Erkrankungen des Gehirns werden nur am Rande erwähnt. Ausführlich werden differentielle Indikationen und Nebenwirkungen neuartiger Antidepressiva diskutiert. Ausblickend werden innovative Therapiestrategien wie CRH-Antagonisten und die präventive Behandlung mit Antidepressiva vorgestellt.


2000 ◽  
Vol 57 (2) ◽  
pp. 59-61
Author(s):  
Schöpf

Eingangs wird die Wichtigkeit betont, Depressionen in der klinischen Praxis festzustellen. Der Autor weist auf die moderne Diagnostik mit operationalisierten Kriterien hin und zeigt Schwierigkeiten auf, die sich bei der Diagnosestellung ergeben können. Besonders atypische Symptome und komorbide psychische Störungen können dazu führen, daß das depressive Syndrom übersehen wird. Gelegentlich bleibt es unsicher, ob eine Depression vorliegt oder nicht. In solchen Fällen soll man im allgemeinen eine Depressionsbehandlung versuchen.


2014 ◽  
Vol 71 (10) ◽  
pp. 609-616
Author(s):  
Dieter Hofer ◽  
Franziska Wenger ◽  
Markus Kohler ◽  
Markus Badertscher

Abhängigkeitserkrankungen weisen eine hohe Prävalenz auf und kommen als komorbide Störungen gehäuft sowohl mit anderen psychiatrischen als auch somatischen Krankheiten vor. Sie werden aber leicht „übersehen“, weshalb die Diagnosestellung ein zielgerichtetes Vorgehen erfordert und komorbide psychische Störungen (Affektive- und Angsterkrankungen, Zwangsstörungen, psychotische Erkrankungen sowie ADHS) ausgeschlossen werden sollten. Bei schwerer, meist mehrfacher Abhängigkeit und in fortgeschrittenen Krankheitsstadien sind oft mehrere Therapeuten involviert, hier ist eine enge Absprache ausschlaggebend für eine wirksame Therapie. Die Therapeuten werden bei akuten, schweren Intoxikationen oder gravierenden psychosozialen und somatischen Folgeschäden mit der Frage nach fürsorgerischen Maßnahmen konfrontiert. Ärzte müssen in diesen Situationen sorgfältig zwischen therapeutischem Auftrag des Patienten und dem (in einigen Kantonen) im Rahmen einer Fürsorgerischen Unterbringung staatlich delegierten Auftrag unterscheiden. Suchterkrankungen treten im Alter vermehrt auf, werden aber nicht selten „übersehen“ oder bagatellisiert. Aber auch Low-Dose Abhängigkeiten von Beruhigungsmitteln haben eine hohe Komplikationsrate z. B. durch ein erhöhtes Sturzrisiko, weshalb bei Betagten die Verschreibung dieser Substanzen zurückhaltend erfolgen sollte.


2013 ◽  
Vol 70 (11) ◽  
pp. 695-702 ◽  
Author(s):  
Dagmar l'Allemand ◽  
Josef Laimbacher

Der Haus- oder Kinderarzt als erste Anlaufstelle kann das Übergewicht rechtzeitig erkennen, und bei Adipositas oder Komorbiditäten eine Therapie durchführen, bzw. Präventionsmaßnahmen einleiten. Übergewichts-Interventionen sind vor dem 7. Lebensjahr am effizientesten hinsichtlich kurz- und langfristiger Resultate. Da die Adipositas eine Betreuung der gesamten Familie erfordert, sind enger bzw. wiederkehrender Kontakt mit Kindern und Familie sowie die Wohnortnähe der Behandlung wichtig. Das Ändern von liebgewonnenen Gewohnheiten und des Erziehungsstils stellt die größte Herausforderung an die Eltern. Daher können Techniken der Alkohol- und Tabak-Sucht-Behandlung genutzt werden und Empfehlungen zur Verbesserung des Selbstwertes, der Bewegung sowie des Essverhaltens angeführt werden. Machbare Ziele umfassen zunächst kleine Lebensstiländerungen und Reduktion von Komorbiditäten, wenn eine extreme Adipositas mit BMI über der 99.5 Perzentile oder psychische Störungen bestehen, oder sich innert der ersten 6 Monate abzeichnet, dass die eigenen Ziele nicht erreicht werden können, ist die Weiterleitung an ein spezialisiertes Zentrum zur multiprofessionellen Behandlung indiziert, in der Spezialisten für Ernährung, Bewegung und Psychologie gemeinsam die Therapie des Kindes mit seiner Familie übernehmen. Die Adipositas ist bereits in der Kindheit eine chronische Erkrankung, die eine sehr langfristige Behandlung benötigt und meist bis ins Erwachsenalter andauert.


Sign in / Sign up

Export Citation Format

Share Document