Ein beidseitig ausgeprägtes Embryotoxon posterius und eine neonatale Cholestase sind charakteristische Befunde beim Alagille-Syndrom
Hintergrund: Das Alagille-Syndrom ist eine autosomal-dominante Erkrankung, die durch neonatale Cholestase, typische Facies und kardiale Anomalien gekennzeichnet ist. Charakteristische okuläre Anomalien sind Embryotoxon posterius, Irisstroma-Hypoplasie mit Mosaikmuster, Mikrocornea, papilläre Drusen und Retinopathia pigmentosa. Wir legen hier den zweiten Bericht zur okulären Pathologie in zwei Fällen des Alagille-Syndroms vor. Methoden: Makroskopische und histologische Untersuchung von Präparaten von vier Augen zweier Patienten. Ergebnisse: In beiden Fällen liegt ein Embryotoxon posterius vor; in Fall 1 mit Iris-Prozessbildung bis zum Embryotoxon. Fall 1 wies ein deutlich anomales Irisstroma mit ausgeprägter Spaltbildung zwischen anteriorem und posteriorem Stroma auf. In Fall 2 war Vakuolenbildung mit Spitzenmuster zu beobachten. Schlussfolgerungen: Das Alagille-Syndrom ist primär eine hepatische Erkrankung, weist jedoch auch mehrere charakterische okuläre Krankheitsmerkmale auf, insbesondere Embryotoxon posterius. Dies und die Anomalien des Irisstromas könnten auf die fehlerhafte Migration von Neuralleistenzellen infolge der Mutation des Jagged-1-Gens zurückzuführen sein, die das Alagille-Syndrom verursacht. Patienten mit Alagille-Syndrom werden selten einer okulären Autopsie unterzogen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung könnten zum besseren Verständnis der Pathophysiologie der okulären Anomalien bei dieser Erkrankung beitragen.