Tyndallometrie der Augenvorderkammer nach verschiedenen Anti-VEGF-Injektionen
Zielsetzung: Beurteilung der inflammatorischen Reaktion auf intravitreal appliziertes Aflibercept (IVA) oder Ranibizumab (IVR) bei Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD). Methoden: Insgesamt 60 Augen von 60 Patienten mit neovaskulärer AMD und 30 Augen von 30 nach dem Lebensalter gepaarten gesunden Personen als Kontrollgruppe wurden in diese prospektive, vergleichende Beobachtungsstudie eingeschlossen. Die AMD-Patienten wurden im Verhältnis 1:1 mit IVA oder IVR behandelt. Der Tyndall-Effekt in der Vorderkammer wurde an Tag 0, 1 und 30 mit dem Laser-Flare-Meter Kowa FM-600 gemessen (Kowa Company, Ltd., Tokio, Japan). Der mittlere Flare-Wert mit Standardabweichung wurde als Photonenzahl pro Millisekunde erfasst. Ergebnisse: An der Studie nahmen 51 (56,7%) Männer und 39 (43,3%) Frauen teil; das mittlere Lebensalter betrug 72,7 ± 7,5 Jahre. Die mittleren Flare-Werte des Kammerwassers zu Studienbeginn, an Tag 1 und an Tag 30 betrugen in der IVR-Gruppe 7,08 ± 2,44, 7,23 ± 2,56 und 6,99 ± 2,29, in der IVA-Gruppe 6,87 ± 3,18, 6,86 ± 3,19 und 6,53 ± 2,79 und in der Kontrollgruppe 6,4 ± 3,29, 6,41 ± 3,06 und 6,42 ± 3,05. Bei den Flare-Werten zu Studienbeginn bestanden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen (p = 0,666). Bei der Untersuchung an Tag 1 zeigte sich eine leichte, jedoch nicht signifikante Zunahme des Flare in der Ranibizumab-Gruppe. Ein signifikanter Unterschied bei den Flare-Werten bestand weder innerhalb der mit Ranibizumab oder der mit Aflibercept behandelten Gruppe (p = 0,768 bzw. p = 0,387) noch zwischen den Gruppen (p = 0,635). Weder vor noch nach den intravitrealen Injektionen mit Ranibizumab bzw. Aflibercept waren signifikante klinische entzündliche Reaktionen festzustellen. Schlussfolgerung: Die mit Aflibercept oder Ranibizumab behandelten Augen mit neovaskulärer AMD zeigten kurzfristig keine signifikante intraokulare Inflammation. Aflibercept besitzt zwar im Vergleich zu Ranibizumab ausgeprägtere immunogene Merkmale, z.B. einen zusätzlichen Fc-Anteil, und ist ein größeres Molekül, verhindert aber wahrscheinlich durch seine stärkere antiinflammatorische Wirkung die Induktion entzündlicher Reaktionen. Übersetzung aus Ophthalmic Res 2016;56:35-40 (DOI:10.1159/000444497) © 2016 S. Karger GmbH, Freiburg