Aktuelle Therapiestandards primärer ZNS-Lymphome

2019 ◽  
Vol 144 (03) ◽  
pp. 161-164
Author(s):  
Elisabeth Schorb ◽  
Gerald Illerhaus ◽  
Jürgen Finke

Was ist neu? Induktionstherapie Die weltweit größte Studie mit einem randomisierten Vergleich verschiedener Induktionstherapien zeigte, dass die Hinzunahme von Thiotepa und Rituximab zu einer hochdosierten Methotrexat- (MTX) und Cytarabin- (AraC) Therapie (sogenanntes MATRix-Protokoll) sowohl Ansprechen als auch Gesamtüberleben von Patienten mit Erstdiagnose eines primären ZNS-Lymphoms (PZNSL) verbessert. Die MATRix-Kombination gilt seither in Deutschland und international als neuer Behandlungsstandard. Aktuelle retrospektive Daten belegen die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit nicht nur im Rahmen klinischer Studien, sondern auch im klinischen Alltag. Konsolidierungstherapie In den vergangenen Jahren spielt die Hochdosistherapie mit nachfolgender autologer Stammzelltransplantation (HDT-ASZT) als Teil der Erstlinientherapie von Patienten mit PZNSL eine immer wichtigere Rolle. Im Rahmen zweier kürzlich vorgestellter randomisierter Studien wurde bestätigt, dass die HDT-ASZT mit einem 2-Jahres-Gesamtüberleben > 80 % einen effektiven Therapieansatz darstellt. Ältere Patienten Aktuelle Daten aus Deutschland belegen die Effektivität einer Therapie mit hochdosiertem MTX in Kombination mit Rituximab und Procarbazin, gefolgt von Erhaltungstherapie mit Procarbazin (PRIMAIN-Protokoll). Retrospektive Daten sowie erste Ergebnisse einer prospektiven Studie zeigen außerdem, dass fitte Patienten > 65 Jahre von einer intensiveren Therapie inklusive HDT-ASZT profitieren können. Therapie bei Rezidiv/refraktärem Verlauf Daten einer kürzlich publizierten Studie zeigen bei Patienten bis 66 Jahre Ansprechraten von bis zu 50 % nach Konsolidierungstherapie mittels Thiotepa-basierter HDT-ASZT. Randomisierte Studien zur Rezidivtherapie beim PZNSL liegen derzeit nicht vor. Zielgerichtete Substanzen In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Substanzen wie z. B. Lenalidomid und Pomalidomid sowie Ibrutinib mit vielversprechenden Ergebnissen in klinischen Studien untersucht. Aktuell ist in Deutschland noch keine Substanz für die zielgerichtete Therapie von Patienten mit PZNSL zugelassen. Ausblick Intensive Induktionsstrategien sowie die konsolidierende HDT-ASZT stellen zunehmend den Therapiestandard dar. Aktuell laufen weitere große klinische Studien zum Stellenwert der HDT-ASZT sowohl bei jüngeren Patienten im Vergleich zu einer konventionellen Chemotherapie als auch bei älteren Patienten als kurativer Therapieansatz. Zusätzlich werden in Kürze neue Daten zum Einsatz zielgerichteter Substanzen erwartet.

2012 ◽  
Vol 31 (11) ◽  
pp. 807-812
Author(s):  
M. Nabauer ◽  
T. Limbourg ◽  
T. Meinertz ◽  
M. Oeff ◽  
P. Kirchhof ◽  
...  

ZusammenfassungVorhofflimmern (VHF) ist die häufigste anhaltende Rhythmusstörung in der täglichen Praxis und trägt ein ca. fünffach erhöhtes Risiko für einen ischämischen Schlaganfall. Um ein aktuelles Abbild von Diagnostik und Behand-lung sowie von langfristigen Komplikationen und Prognose von Patienten mit VHF in Deutschland zu erhalten, wurde 2003 im Kompetenznetz Vorhofflimmern ein Patientenregister etabliert. Erste Ergebnisse weisen daraufhin, dass die Rate der oralen Anti-koagulation mit 67% mit den Ergebnissen anderer europäischer Register vergleichbar ist. Insbesondere ältere Patienten (ab dem 70. Lebensjahr) werden nicht ausreichend mit einer erforderlichen oralen Antikoagulation behandelt. Die klinisch übliche Risikostratifizierung nach dem CHADS2-Score hat in der klinischen Praxis nur einen limitierten Einfluss auf die Entscheidung zur Antikoagulation. Unterschiedliche Antikoagulationsraten in spezialisierten Zentren gegenüber nicht kardiologischen Einrichtungen sind nur zum Teil durch Unterschiede in Altersstruktur und Begleiterkrankungen zu erklären. Entsprechend wird die Antikoagulation bei VHF zur Prävention ischämischer Schlaganfälle weiter unzureichend genutzt.


2005 ◽  
Vol 16 (4) ◽  
pp. 201-209 ◽  
Author(s):  
Miriam Kunz ◽  
Stefan Lautenbacher

Zusammenfassung: Klinische Studien, die nahe legen, dass Alzheimer-Patienten im Vergleich zur Altersgruppe deutlich seltener über Schmerzen berichten und deutlich weniger Analgetika verschrieben bekommen, haben die Frage aufgeworfen, inwieweit die Alzheimer-Erkrankung zu Veränderungen im Schmerzerleben führt. Um diese Frage zu beantworten, sind experimentelle Studien unabdingbar, da nur sie erlauben, Veränderungen des Schmerzsystems selbst zu erfassen. Die bisherigen experimentellen Befunde weisen darauf hin, dass die Schmerztoleranzschwelle deutlich erhöht und die vegetative Schmerzreaktion teilweise erheblich vermindert ist. Die Schmerzschwelle und schmerzkorrelierten Hirnpotenziale zeigten sich hingegen weitestgehend unverändert. Dies spräche eher für eine Abschwächung der Schmerzreagibilität bei Alzheimer-Demenz. Als mögliche Erklärungen hierfür diskutieren wir altersbedingte Veränderungen des Schmerzerlebens und neuroanatomische Veränderungen im Rahmen der Alzheimer-Erkrankung. Erste Ergebnisse einer eigenen Studie mit alternativer Methodik (mimische Schmerzreaktion, nozifensiver RIII-Reflex, u. a.) lassen im Gegensatz zu früheren Annahmen auch an die Möglichkeit einer erhöhten Schmerzreagibilität denken. Auch die beeinträchtigte Fähigkeit der Demenzpatienten zur verbalen Schmerzkommunikation und die Notwendigkeit alternativer, nonverbaler Messmethoden sind Thema der vorliegenden Übersichtsarbeit


2019 ◽  
Vol 48 (11) ◽  
pp. 493-497
Author(s):  
Alexander Reshetnik

ZUSAMMENFASSUNGÄltere Patienten stellen eine zunehmende Population unter den Transplantierten. Leider sind die empirischen Daten zur immunsuppressiven Therapie in diesem Kollektiv bislang begrenzt. Die vorhandene Evidenz deutet jedoch darauf hin, dass verfügbare moderne Immunsuppressionsprotokolle unter Beachtung spezieller Besonderheiten bei älteren Patienten auch in dieser Klientel problemlos eingesetzt werden können. Dennoch sollten zukünftige randomisierte Studien ältere Empfänger einschließen, um die Empirik in dieser zunehmend größeren Population zu erweitern.


2020 ◽  
Vol 9 (04) ◽  
pp. 381-386
Author(s):  
Julius L. Katzmann ◽  
Ulrich Laufs

ZusammenfassungBempedoinsäure (ETC-1002) ist ein neuartiger Wirkstoff zur Behandlung der LDL-Hypercholesterinämie. Bempedoinsäure inhibiert das Enzym ATP-Citrat-Lyase, das im selben Stoffwechselweg liegt wie das Schlüsselenzym der Cholesterinbiosynthese und Angriffsort der Statine, die HMG-CoA-Reduktase. Bempedoinsäure wird als Prodrug appliziert und durch ein spezifisches Enzym in der Leber aktiviert, welches im Skelettmuskel nicht exprimiert wird. Randomisierte Studien zeigen eine Senkung des LDL-Cholesterins durch Bempedoinsäure; diese ist ausgeprägter bei statinnaiven Patienten und synergistisch mit Ezetimib. Die Verträglichkeit ist auch bei Patienten mit statinassoziierten Muskelschmerzen gut. Es gibt Hinweise auf eine geringe Erhöhung der Harnsäure und eine mögliche Verbesserung der Glukosetoleranz. C-reaktives Protein wird um ca. 25% gesenkt. Eine Endpunktstudie mit 12 600 Patienten mit manifester Atherosklerose und Unverträglichkeit von Statinen läuft, Ergebnisse werden 2022 erwartet. Bempedoinsäure stellt eine zukünftige Therapieoption für Patienten mit nicht erreichten LDL-Cholesterin-Zielwerten insbesondere aufgrund von statinassoziierten Muskelschmerzen dar.


2006 ◽  
Vol 25 (11) ◽  
pp. 911-918 ◽  
Author(s):  
M. Siebler ◽  
C. Dohmen ◽  
J. P. Dreier ◽  
R. Graf ◽  
J. Röther ◽  
...  

ZusammenfassungIm Subnetz „Klinische Studien“ des Kompetenznetzes Schlaganfall werden multizentrische klinische Studien zum akuten Schlaganfall koordiniert und durchgeführt. Studien über die Sicherheit und Effektivität der akuten Schlaganfallbehandlung mit dem Glykoprotein IIb/IIIa-Rezeptorantagonisten Tirofiban zeigen erfolgversprechende Ansätze zur verbesserten Akuttherapie und bilden die Basis für Zulassungsstudien. In einer großen multizentrischen Studie konnte gezeigt werden, dass die intravenöse Thrombolyse mit tPA im erweiterten Zeitfenster bis sechs Stunden nach Symptombeginn bei mittels MRT-Kriterien ausgewählten Patienten sicher und effektiv ist. In einer aktuellen Studie wird untersucht, ob die multimodale MRT-Bildgebung bereits in der Akutphase die zuverlässige Identifikation von Risikopatienten für die Entwicklung eines malignen Mediainfarktes ermöglicht. Erste Ergebnisse der noch laufenden COSBID-Studie haben gezeigt, dass Periinfarkt-Depolarisationen bei malignem Mediainfarkt, Subarachnoidalblutung und intrakranieller Blutung auftreten. Im weiteren Verlauf der Studie wird die klinische Relevanz dieser transienten Depolarisationen als wesentliches Merkmal der Sekundärschädigung bei den genannten Krankheitsbildern überprüft. Insgesamt hat die Kooperation mehrerer Schlaganfallzentren in einem multizentrischen Ansatz im Subnetz „Klinische Studien“ die Durchführung von Studien ermöglicht, welche in einzelnen Zentren in dieser Form nicht zu realisieren gewesen wären.


Praxis ◽  
2004 ◽  
Vol 93 (40) ◽  
pp. 1633-1644 ◽  
Author(s):  
Medinger ◽  
Steinbild ◽  
Mross

Bei Patienten mit Stadium III-Kolonkarzinom hat sich die adjuvante Chemotherapie etabliert. Fluorouracil und Folinsäure über sechs Monate ist zurzeit (noch) der Standard und sollte als Kontrollarm für randomisierte Studien neuer Substanzen verwendet werden. Da im Stadium II die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs geringer ist, ist auch der absolute Nutzen einer Chemotherapie geringer als im Stadium III. Die bisher vorliegenden Daten sind nicht ausreichend, um eine statistisch eindeutige Aussage über den Nutzen bezüglich des Gesamtüberlebens nach adjuvanter Therapie im Stadium II treffen zu können. Durch den Einsatz neuer Medikamente wie Irinotecan und Oxaliplatin könnte die Effektivität einer adjuvanten Therapie weiter verbessert werden. Bei dem metastasierten kolorektalen Karzinom sind heute Kombinationen aus 5-FU/FS plus CPT-11 oder OXA Therapie der Wahl für die First-line-Therapie. Welcher der letztgenannten Substanzen der Vorrang gegeben werden soll, ist bis jetzt noch nicht definiert. FOLFOX ist in der Lage, im Vergleich zu IFL, die mittlere progressionsfreie Zeit von 6,9 auf 8,8 Monate zu verlängern. Des Weiteren zeigt sich im Vergleich eine statistisch signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens um 4,5 Monate (Ergebnisse der N9741- Intergroup-Study). Für FOLFOX spricht weiterhin die bessere Verträglichkeit. Abgesehen von Grad 3/4-Parästhesien sind schwere Nebenwirkungen wie febrile Neutropenien, Diarrhoe, Übelkeit und Erbrechen wesentlich seltener als unter Therapie mit Irinotecan. Für eine sequentielle Therapie spricht, dass das mittlere Gesamtüberleben bis auf etwa 20 Monate gesteigert werden konnte. Ergebnisse einer Phase II-Studie lassen erwarten, dass Capecitabine die 5-FU/FS-Komponente moderner Kombinationsprotokolle mit Irinotecan bzw. Oxaliplatin möglicherweise ersetzen kann. Für ältere, komorbide Patienten oder Patienten mit langsamem Tumorwachstum kann für die First-line-Therapie Capecitabine eingesetzt werden oder das Ardalan (bzw. AIO-) Protokoll [49]. Grundsätzlich profitieren ältere Patienten > 65 Jahren von der Kombinationstherapie genauso wie jüngere Patienten, wie in einer Metaanalyse von zwei Phase III-Studien [50] sowie in einer retrospektiven Analyse von Rougier et al. belegt werden konnte [51]. Der neue VEGF-Rezeptor-Inhibitor Bevacizumab ist ein weiterer Meilenstein in der first-line palliativen Behandlung kolorektaler Karzinome. Mittlere Überlebenszeiten von 24 Monaten und möglicherweise mehr könnten demnächst durch optimierte Behandlungssequenzen der zur Verfügung stehenden Medikamente erzielt werden. Für die second-line-Therapie steht mit Cetuximab ein weiterer Antikörper zur Verfügung, der seinen festen Platz in der Therapie kolorektaler Karzinome finden dürfte. Inzwischen ist Cetuximab zugelassen worden. Bemerkenswert ist, dass die Antikörper mit den Zytostatika kombiniert werden können, ohne die Toxizität deutlich zu erhöhen. Allerdings sind auch diese neuen Target-spezifischen Antikörper nicht ohne Nebenwirkungen, das NW-Spektrum der Therapien wird sich durch Hinzufügen dieser Medikamente verändern.


2015 ◽  
Vol 35 (05) ◽  
pp. 275-280
Author(s):  
R. Stange ◽  
A. Michalsen

ZusammenfassungViele Patienten mit rheumatischen Erkrankungen fragen nach den Möglichkeiten, ihre Erkrankung über die Ernährung zu beeinflussen. In der Naturheilkunde bilden Ernährungstherapie und modifiziertes Fasten eine Hauptsäule der klassischen Naturheilverfahren und es besteht eine umfangreiche klinische Erfahrung zur Ernährungstherapie bei rheumatischen Erkrankungen. Wie in der gesamten nichtpharmakologischen Therapie stehen nur in begrenztem Umfang Daten aus randomisierten Studien zur Evidenzbewertung zur Verfügung. Für die rheumatoide Arthritis belegen zwei randomisierte Studien die Wirksamkeit der mediterranen Ernährung. Für die vegetarischen Kostformen weisen experimentelle Daten auf grundsätzlich deutliche antientzündliche Effekte und klinische Studien auf günstige klinische Wirkungen bei kardiovaskulären Erkrankungen. Die Wirksamkeit glutenfreier Diäten ist fraglich. Mehrere Studien und eine systematische Übersicht belegen die Wirksamkeit eines siebenbis zehntägigen Fastens auf die Symptome und Funktion bei rheumatoider Arthritis. Folgt auf das Fasten eine vegane und vegetarische Ernährung sind nachhaltige Effekte von einem Jahr dokumentiert. Der mögliche Nutzen verschiedener spezifischer Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungen wie Grüner Tee, Granatapfel, Ingwer, Leinöl, Gelbwurz ist klinisch derzeit nicht ausreichend belegt. Vielversprechend sind erste Daten zur probiotischen Therapie bei rheumatoider Arthritis. Für die Therapie der Arthrose steht die Gewichtsnormalisierung bei Übergewicht im Vordergrund. Nahrungsergänzungen mit Avocado/Soja sind moderat symptomatisch bei Arthrose wirksam.


2018 ◽  
Vol 38 (05) ◽  
pp. 356-362
Author(s):  
A. Michalsen

ZusammenfassungViele Patienten mit rheumatischen Erkrankungen fragen nach den Möglichkeiten, ihre Erkrankung über die Ernährung zu beeinflussen. In Erhebungen und epidemiologischen Studien werden immer wieder Ernährungsfaktoren beschrieben, die mit dem Auftreten rheumatischer Erkrankungen bzw. von Schüben verbunden sind, allerdings kann kein einheitliches Ernährungsmuster beschrieben werden. Wie allgemein im nichtpharmakologischen Therapiebereich stehen nur in begrenztem Umfang Daten aus randomisierten Studien zur Evidenzbewertung zur Verfügung. Für die rheumatoide Arthritis (RA) belegen zwei randomisierte Studien die Wirksamkeit der mediterranen Ernährung. Für die vegetarischen Kostformen weisen v. a. experimentelle Daten auf grundsätzlich deutliche antientzündliche Effekte und klinische Studien auf günstige klinische Wirkungen bei kardiovaskulären Erkrankungen hin. Die Wirksamkeit glutenfreier Diäten bei RA ist fraglich und glutenfreie Diäten sollten nur bei Zöliakie oder starken Hinweisen auf eine Nicht-Zöliakie Glutensensitivität (NCGS) empfohlen werden. Mehrere Studien und eine systematische Übersicht belegen die Wirksamkeit eines sieben- bis zehntätigen Fastens auf die Symptome und Funktion bei RA. Folgt auf das Fasten eine vegane und vegetarische Ernährung, sind nachhaltige Effekte von bis zu einem Jahr dokumentiert. Der mögliche Nutzen verschiedener spezifischer Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungen wie grüner Tee, Granatapfel, Ingwer, Leinöl, Gelbwurz ist klinisch derzeit nicht ausreichend belegt, aber v. a. für Gelbwurz (Curcuma) vielversprechend. Neuere klinisch-experimentelle Daten belegen den Einfluss des Darm-Mikrobioms auf die Entstehung der Erkrankung. Allerdings sind bislang spezifische probiotische Therapieansätze nicht ausreichend durch Daten aus klinischen Studien gestützt.


2020 ◽  
Vol 145 (03) ◽  
pp. 151-154
Author(s):  
Birte Friedrichs ◽  
Norbert Schmitz ◽  
Georg Lenz

Was ist neu? Molekulare Charakterisierung aggressiver Lymphome Die sogenannte „cell of origin“-Klassifikation von diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL) ist mittlerweile Bestandteil der revidierten WHO-Klassifikation von 2017. Dabei werden ABC- und GCB-DLBCL unterschieden. In der Praxis erfolgt diese Einteilung in der Regel unter Anwendung der Immunhistochemie, wobei meist der sogenannte Hans-Algorithmus eingesetzt wird. Erstlinientherapie von DLBCL-Patienten Die Hinzunahme verschiedener zielgerichteter Therapien konnte den Standard von 6–8 Zyklen R-CHOP-Chemoimmunotherapie bislang nicht verändern. Für junge Patienten bis 60 Jahre mit einem International Prognostic Index (IPI) von 0 kann die Therapie auf 4 Zyklen R-CHOP, gefolgt von 2 Applikationen Rituximab, reduziert werden. Prophylaxe von ZNS-Rezidiven bei DLBCL-Patienten Eine intrathekale Therapie mit chemotherapeutischen Substanzen hat keinen Einfluss auf die Verhinderung von Rezidiven im Bereich des zentralen Nervensystems (ZNS). Die Anwendung des ZNS-IPI zur Identifizierung von Patienten mit hohem Risiko für ein ZNS-Rezidiv erscheint sinnvoll, auch wenn es hierzu keine Daten aus randomisierten Studien gibt. Für Patienten mit einem hohen Risiko können 2 systemische Zyklen mit hochdosiertem Methotrexat zusätzlich zur Erstlinientherapie empfohlen werden. Behandlung von Patienten mit rezidiviertem oder therapierefraktärem DLBCL Patienten mit rezidiviertem und/oder refraktärem DLBCL erhalten eine Salvage-Chemotherapie, gefolgt von autologer oder allogener Stammzelltransplantation. Nach mindestens 2 Vortherapien sind aktuell 2 CAR-T-Zell-Produkte zugelassen. Dadurch erhalten auch ältere Patienten, die ggf. nicht für eine Transplantation infrage kommen, die Chance auf eine kurative Therapieoption. Ausblick Neue Substanzgruppen wie Antikörper-Medikamenten-Konjugate oder bispezifische Antikörper zeigen in Studien von Patienten mit rezidiviertem oder therapierefraktärem DLBCL sehr vielversprechende Ergebnisse. Aktuell laufende klinische Studien prüfen den Einsatz weiterer neuer Substanzen.


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