Die Entwicklung des Faches Geburtshilfe und Gynäkologie in den vergangenen 100 Jahren spiegelt sich in der Geschichte der Basler Universitäts-Frauenklinik wider: Am Beginn (1896) standen noch praktische klinische Fragen, um die angehenden Ärzte in der Geburtshilfe zu unterweisen. Denn schon von der Mitte des 19. Jahrhunderts an sah man die Aufgaben einer medizinischen Fakultät nicht mehr nur in der theoretischen Ausbildung, sondern vermehrt in der Einübung praktischer Fähigkeiten. Dabei bot sich die Geburtshilfe geradezu exemplarisch an. Endgültig war der Kampf gegen das Kindbettfieber in Basel erst mit dem Anbruch des 20. Jahrhunderts gewonnen (von Herff). Schrittweise war die Gynäkologie aus der Chirurgie herausgelöst und zu einem eigenständigen Fach im Verein mit der viel älteren Geburtshilfe entwickelt worden. Dazu trugen vor allem operativ-hochbegabte Neuberufene bei, wie z.B. Ernst Bumm. Auch die Forschung wurde allmählich intensiviert, beginnend mit einer besseren Datenerfassung (Kurvenblätter [Fehling]), über die Einrichtung von klinisch-chemischen Laboratorien (Labhardt) und zytologischen und histologischen Untersuchungseinrichtungen (Koller), die für die Krankenversorgung ebenso wie für die Forschung genutzt wurden. Neben die Prophylaxe des Kindbettfiebers trat bald die Krebsvorsorge, wenig später die Familienplanung. Ernst Bumm bezog eine neue Klinik, Alfred Labhardt baute sie aus und Theodor Koller vollendete die räumlichen Voraussetzungen für die Bedürfnisse einer damals zeitgemäßen Frauenheilkunde. Neben einer Geburtshilfe, die einen neuen Schwerpunkt in der Fetalmedizin fand, insbesondere in der Überwachung des Feten unter der Geburt, trat die Vervollkommnung der operativen Möglichkeiten, seit den späten 60er Jahren auch unter Einschluss der weiblichen Brust (Käser). Unter Otto Käser wurde die operative Gynäkologie in Basel beispielhaft und weit herum führend. Die Krebsvorsorge schloss nunmehr die Brust mit ein. Zu Beginn der 80er Jahre trat die Möglichkeit hinzu, kinderlosen Frauen durch ärztlich assistierte Befruchtung zu helfen [11, 14] (Ludwig). Inzwischen ist die «Reproduktionsmedizin» aus dem Spektrum der Angebote der Klinik nicht mehr wegzudenken. Hand in Hand damit entwickelten sich neue Schwerpunkte der Forschung: Die Molekulargenetik machte es konzeptionell möglich; die Mikromanipulation, als anwendungsbezogene Methoden der assistierten Reproduktion entwickelt, führte zu Eingriffsmöglichkeiten an der menschlichen Keimzelle und zu der Erkenntnis, welche therapeutisch nutzbaren Möglichkeiten sich aus der neuen Zellforschung ergeben würden, die sich weniger auf totipotente befruchtete Eizellen, sondern auf pluripotente embryonale oder adulte Stammzellen konzentrierte (Holzgreve). Gleichzeitig wurde die ethische Verantwortung der Forschung deutlicher wie zuvor nur in der Diskussion um den Schwangerschaftsabbruch (Labhardt). Dem noch jungen gegenwärtigen Vorsteher der Frauenklinik und seiner Kreativität ist es vorzugsweise zu danken, dass die Institution «Basler Frauenspital» heute nicht nur mit den Fortschritten im internationalen Vergleich mitziehen konnte, sondern innerhalb von wenigen Jahren sogar eines der führenden Forschungsinstitutionen wurde, und dies in enger Kooperation mit verschiedenen Arbeitsgruppen des seit drei Jahrzehnten existierenden Basler «Biozentrums». Erkennbar ist der Aufschwung der biomedizinischen Forschung in allen biologischen Disziplinen, die zum Charakteristikum Basler Forschung des 21. Jahrhunderts geworden ist, und was in der Basler Frauenklinik geschieht, ist zu einem ihrer integralen Bestandteile herangewachsen.