Alle Talente wertschätzen – Grenz- und Beziehungsgebiete der Mathematikdidaktik ausschöpfen
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Published By WTM-Verlag Münster

9783959871228

Author(s):  
Ulrich Vieluf ◽  
Stanislav Ivanov

Die Hamburger Schulbehörde hat in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre ein Bündel von Maßnahmen zur Begabtenförderung in die Wege geleitet. Es umfasste neben der Akzeleration im Rahmen des Schulversuchs „Gefördertes Springen“1 neu entwickelte Enrichmentangebote, allen voran das Projekt „Kinder der Primarstufe auf verschiedenen Wegen zur Mathematik“ (PriMa) 2 . Darüber hinaus wurde die Beratungsstelle besondere Begabungen (BbB) eingerichtet – die erste staatliche Beratungsstelle in Deutschland für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zu Fragen rund um das Thema „(Hoch-) Begabung“ und für die Entwicklung, Implementierung, Begleitung und Evaluation von Maßnahmen zur Begabtenförderung3. Auslöser hierfür waren seinerzeit u. a. Befunde der Längsschnittstudie „Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung an Hamburger Schulen“ (LAU, 1996 bis 2005), die darauf hindeuteten, dass ein nicht geringer Teil der Schülerinnen und Schüler mit hohen und sehr hohen Lernausgangslagen nur unterdurchschnittliche Lernentwicklungen verzeichnete. Eine naheliegende Erklärung hierfür war, dass diese Schülerinnen und Schüler die curricularen Anforderungen ihrer Jahrgangsstufe bereits erfüllten und ihnen der Unterricht für ihre Kompetenzentwicklung zu wenig Anregung bot. Sieben Jahre nach dem Start der LAU-Studie wurde seitens der Schulbehörde eine Folgestudie in Auftrag gegeben, die Längsschnittstudie „Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern“ (KESS, 2003 bis 2012). Im Rahmen dieser Studie wurden neben Tests aus der (inter-)nationalen IGLU-Studie auch die Tests aus der LAU-Studie eingesetzt. 4 So war es möglich, anhand von Vergleichen der Lernentwicklungen der Schülerinnen und Schüler zweier vollständiger Jahrgänge in ausgewählten Kompetenzbereichen die Wirksamkeit der zwischenzeitlich ergriffenen Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Hamburger Schulsystems – insbesondere die Einführung der verlässlichen Halbtagsgrundschule, Englisch in der Grundschule, G 8 ebenso wie Programme zur Begabtenförderung – zu überprüfen. In diesem Beitrag gehen wir anhand des KESS-Datensatzes der Frage nach, ob sich Maßnahmen zur Begabtenförderung in den Lernentwicklungen der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler niederschlagen, ob sich also positive Effekte unterrichtsergänzender Enrichmentangebote für besonders begabte und für hochbegabte Schülerinnen und Schüler nachweisen lassen.


Author(s):  
Carl Ludwig Naumann ◽  
Susanne Wilckens

Das schriftbezogene akademische Selbstkonzept, vor allem zu Beginn und nach der Schulzeit, und die landläufige Auffassung von Schrift als regellos werden beleuchtet. Zum Verständnis der Schrift und ihres Erwerbs dienen parallele Phänomene bei der Zahl und ihrem Erwerb. Für lese-rechtschreib-schwache SchülerInnen werden zwei Hilfen herausgestellt: Das Arbeitsbündnis zwischen Kind, Lehrkraft und Eltern und eine klarere Sicht auf den Lese-Zweck und die hochgradige Strukturiertheit der Schrift.


Author(s):  
Marcus Schütte ◽  
Judith Jung ◽  
Götz Krummheuer
Keyword(s):  

Der folgende Beitrag befasst sich mit dem Mathematiklernen in der frühen Kindheit. Das Lernen von Mathematik wird in vielen Ansätzen theoretisch als ein innerpsychisch zu verortender Prozess modelliert (vgl. u. a. Hasemann & Gasteiger 2014). Soziale Interaktion wird in diesen Theorien zumeist als „kontingente Randbedingung“ (Krummheuer 1992), also als für das Verstehen vom ‚Wesen‘ des Mathematiklernens nicht notwendiges Phänomen, begriffen. Die im folgenden Artikel entwickelte Perspektive grenzt sich von dieser Sichtweise insofern ab, als dass sie der Annahme folgt, dass sich das Erlenen von mathematischen Fähigkeiten durch und im Austausch mit anderen Individuen grundlegender verstehen und beschreiben lässt. Danach rücken die Interaktion der Beteiligten und der gemeinsame mathematische Aushandlungsprozess in den Fokus der Betrachtung. Im Ergebnis zeigt sich, dass sich frühes mathematisches Lernen oder, wie im Weiteren ausgeführt wird, die mathematische Denkentwicklung als Teilhabe an narrativen oder formalen Diskursen beschreiben lässt.


Author(s):  
Gabrielle Ricken
Keyword(s):  

Lehrkräfte sollen es schaffen; Studierende sich in der Universität vorbereiten: Moderne Schulen sollen inklusive sein! Die Vielfalt in den Voraussetzungen ist das Herausfordernde an dieser Idee: Lernende und Lehrende unterscheiden sich in Erfahrungen, Kenntnissen und Perspektiven. Unterschiede wie Alter, Geschlecht, soziale Herkunft sind vertraut, andere wie Förderbedarfe verunsichern noch. Oft liest man, dass inklusive Aufgaben kooperativ besser bewältigt werden könnten. Das geht aber nur, wenn die Vielfalten „aufeinander treffen“. Wie gelingt Kooperation, wie verbinden Lehrende ihre Perspektiven? Kann man an der Universität individuelle Kompetenzen „verzapfen lernen“? Was muss man überhaupt für einen inklusiven Unterricht können?


Author(s):  
Elisabet Mellroth

This text is a brief summary of two studies presented in my doctoral thesis. The aim of the studies was to capture teachers’ perspectives on orchestrating teaching of mathematically highly able pupils (MHAPs) in diverse classroom. Positioning theory was used to analyze teachers’ (N=17) discussions in the context of a long term (two-year, 120 h) professional development programme on gifted education. The results show that, when teachers connect theories of gifted education with their teaching expertise, they express possibilities and obstacles, but also rights and duties, in their professional task, to include MHAPs in classroom learning. The teachers express a duty to collaborate with colleagues to meet the learning needs of MHAPs. Differentiation and well-composed mathematical tasks are suggested as possible ways of catering for those needs. Through the lens of positioning theory, the results show that teachers have deep knowledge of what constitutes high ability and that they have the power to orchestrate teaching to meet the needs of MHAPs. Whether they can or do use this power, however, is a question yet to be explored.


Author(s):  
Thomas Trautmann

Kinder sind nicht dümmer als Erwachsene, sie haben nur weniger Erfahrungen. Ungefähr so äußerte sich Janusz Korczak (vgl. 1972) in seinem Król Maciuś Pierwszy. In meiner langen Zusammenarbeit mit Marianne Nolte hatte ich niemals das Gefühl, Kinder wären in Mariannes Weltbild weniger erfahren oder gar dumm. Im Gegenteil – nach meiner Auffassung schätzte sie gerade unverstellte kindliche Wahrnehmung als besonders, andersartig, inspirierend und somit stets lohnend, sich damit gründlich zu beschäftigen. Auf dieser Denk-Art entstand der vorliegende Beitrag. Er will uns a. mit eigentümlichen kindlichen Selbstzeugnissen konfrontieren und b. zum eigenen Denken anregen – zum Denken über kindliche Welten, unsere individuellen und professionsspezifischen Modelle von Heranwachsenden und letztlich über unsere Kompetenzen, auf Augenhöhe mit ihnen zu arbeiten (vgl. Trautmann/Trautmann 2016 S. 226). Drittens (c) soll die Methode der Datengewinnung dargestellt werden – die zwischen einer Kindbegleitstudie1 und der mehrperspektivischen diagnostischen Fallberatung (MeDiFa) angesiedelt ist. Unser Gewährskind und Protagonist dafür soll der neunjährige Drittklässler Leo sein, der eingangs folgendermaßen skizziert werden soll. „Neben seiner Leidenschaft für Fußball, der er in den Hofpausen engagiert aber inkompetent nachgeht, ist Leo in seiner Klasse eher aufgrund der Tatsache bekannt, ein hervorragender Schachspieler zu sein. Dieses Können beschert ihm einen gewissen Grad der Anerkennung sowie Selbstbewusstsein und macht ihn für viele Kinder zu einem beliebten Schachpartner. Fast ebenso typisch für Leo ist seine ausgeprägte mathematische Begabung, was ihn vom Umfeld seiner mathematikbegabten Klasse jedoch nicht vergleichbar abhebt, genau so wie seine Fähigkeiten im Schachspiel. Fremden gegenüber scheint Leo generell eher mit Zurückhaltung und Wortkargheit zu begegnen“ (Trautmann 2014 S. 153). Im Beitrag soll anhand dieses Jungen die individuelle Ausprägung von Begabungen im schulischen Aufeinandertreffen von Disposition und Performanz dargestellt werden. Mittels einer am Arbeitsbereich Grundschulpädagogik entwickelten Form der mehrperspektivischen Prozessdiagnostik (vgl. Trautmann/ Schmidt/Bichtemann 2009) und einer Modellbildung mit & durch das Kind selbst sollen die Potenzen eines derartigen tieferen Blickens für die tägliche pädagogische Arbeit (re)konstruiert werden.


Author(s):  
Miriam Bachmann

Der Beitrag erzählt die Geschichte von Paula, einem 8-jährigen Mädchen. Und wie wichtig es für Kinderpsychiater und Psychotherapeuten ist, das Denken und Wesen ihrer Patienten zu verstehen.


Author(s):  
Jens-Holger Lorenz

Der Beitrag versucht die Untersuchungs- und Erkenntnisfortschritte zu skizzieren, welche durch die Arbeiten von Marianne Nolte Ende des letzten Jahrhunderts angestoßen wurden und sich zu einem wachsenden Problem im Mathematikunterricht entwickelten. Es wird auf die sich durch geänderte gesellschaftliche Entwicklungen wachsenden Anforderungen eingegangen, die Lehrkräfte zu bewältigen haben, um Kinder mit heterogenen Sprachkompetenzen zu einem Bild von Mathematik zu führen. Das Verhältnis von Sprache und Mathematik, gemeinhin als konträr konzipiert, wird im Unterricht spannungsreich zusammengeführt. Hierauf muss Mathematikdidaktik Antworten parat haben, soll nicht chronisches Missverständnis das Ergebnis von Unterricht sein.


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