scholarly journals Photo- und redoxaktivierbare Chinonmethide zur Alkylierung von RNA

2021 ◽  
Author(s):  
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Jan-Erik Hornung
Keyword(s):  

RNA ist vor allem als Vermittler von Erbinformationen bekannt. Doch neben der Translation in Proteine ist sie auch maßgeblich an regulatorischen Prozessen in der Zelle beteiligt. So kommen in vielen Organismen Argonautenproteine vor, die zusammen mit microRNA einen Komplex bilden, der in der Lage ist, mRNA zu spalten oder auf andere Weise deren Translation zu unterdrücken. Da die Deregulierung von microRNA bei verschiedenen Krankheiten wie Krebs, Parkinson oder Alzheimer auftritt, wurden in dieser Arbeit Alkylanzien entwickelt, die zur besseren Inhibierung von microRNA beitragen sollen. Als Alkylierungsmittel wurden ortho-Chinonmethide verwendet, die zunächst in geschützter Form synthetisiert wurden und nach Aktivierung mit einer Nukleobase reagieren können. Für die Erkennung der miRNA-Sequenz wurden diese zu einem Konjugat mit Peptid-Nukleinsäuren (PNAs) verbunden. Es wurden zwei Arten von Chinonmethid-Präkursoren hergestellt: Mit o Nitrobenzyl photolabil geschützte, die sich mit Licht der Wellenlänge 365 nm aktivieren lassen, und über ein Disulfid geschützte, die mithilfe eines Reduktionsmittels aktiviert werden. Die photolabil geschützten Derivate lassen sich damit gezielt örtlich und zeitlich aktivieren. Vom reduktiv aktivierbaren Präkursor wurden drei Derivate mit sterisch unterschiedlichen Resten am Disulfid (Benzyl-, Isopropyl- oder tert-Butyl-Rest) hergestellt, die einen Einfluss auf die Kinetik der Entschützung haben. Diese Derivate können nach Eintritt in eine Zelle durch die dort vorherrschende hohe Glutathion-Konzentration aktiviert werden, während sie extrazellulär unreaktiv sind. Zunächst wurde die Kinetik eines photolabil geschützten Konjugats ohne RNA untersucht. Hier kommt es nach Bestrahlung zur Selbstalkylierung, bei der die Nukleobasen der PNA angegriffen werden. Bei 37 °C erfolgte dies mit einer Halbwertszeit von 0.43 h unter Annahme einer Reaktion 1. Ordnung. Die Kinetik der Alkylierung der komplementären RNA ließ sich durch zwei parallel ablaufende Reaktionen 1. Ordnung abbilden. Die Schnelle hatte eine Halbwertszeit von 0.42 h und die Langsame 11 h mit einer Ausbeute von 73 % nach 168 h. Bei Bestrahlung des Konjugats und erst anschließender Zugabe der RNA wurde ebenfalls eine Halbwertszeit von 11 h bei einer einzelnen Reaktionen 1. Ordnung erhalten. Dies lässt sich mit der Reversibilität mancher Reaktionsprodukte erklären. Die schnelle Reaktion entspricht der direkten Reaktion des Chinonmethids mit der RNA, die langsame entsteht durch Umlagerung von reversiblen Addukten. Die Analyse der RNA-Alkylierung erfolgte mithilfe von denaturierender Polyacrylamid-Gelelektrophorese, bei der in Abhängigkeit der Gel-Temperatur scheinbar unterschiedliche Kinetiken gemessen wurden. Dies ist ebenfalls eine Folge der Reversibilität. Bei 57 °C kann ein Teil der Bindungen zwischen RNA und den Konjugaten brechen und es wird am Anfang der Reaktion eine geringere Ausbeute gemessen als bei 25 °C Geltemperatur. Die Ausbeute nach 168 h änderte sich jedoch nicht, da im Verlauf der Reaktion die reversiblen Addukte in irreversible umgewandelt werden. Mit miRNA-20a als Ziel wurden mit einem 10mer Konjugat zunächst nur 13 % Ausbeute nach 72 h und mit einem 15mer Konjugat 41 % nach 75 h erreicht. Durch internen Einbau des Chinonmethid-Präkursors in die PNA, sodass es einem Adenosin der RNA gegenübersteht, konnte die Ausbeute auf 75 % nach 72 h gesteigert werden, da Adenosin bevorzugt alkyliert wird. Bei den reduktiv aktivierbaren Chinonmethid-Präkursoren waren alle synthetisierten Konjugate in Puffer ohne Glutathion (GSH) stabil. Die Reihenfolge der Reaktionsgeschwindigkeit der Disulfidspaltung war bei 0.5 mM und 10 mM GSH: Benzyl > Isopropyl > tert-Butyl. Die Halbwertszeit bei 10 mM GSH betrug weniger als 5 min (Benzyl-Konjugat) bis 2 h (t Butyl Konjugat). Jedoch bildeten sich mit allen Konjugaten bei 10 mM GSH auch Addukte mit GSH. Die Reaktivitätsreihenfolge blieb bei der Alkylierung von RNA erhalten. Allein das Benzyl-Konjugat erreichte bei einer GSH-Konzentration von 0.5 mM schon die gleiche Reaktionsgeschwindigkeit wie das photolabil geschützte Chinonmethid. Bei 10 mM GSH erreichten die Derivate zwar nach wenigen Stunden ihre maximale Ausbeute, diese betrug jedoch nur 23 % (tert-Butyl-Konjugat) bis 43 % (Benzyl-Konjugat), da die Chinonmethide auch durch GSH als Nukleophil abgefangen werden. Mit einem Konjugat, das ein photolabiles Chinonmethid sowie Biotin trägt, wurde ein Fluoreszenzpulldown mit Cy5-markierter RNA durchgeführt. Hier zeigte die bestrahlte Probe eine deutlich höhere Fluoreszenz (6.8x), als eine unbestrahlte Vergleichsprobe. Bei einem Pulldown-Versuch mit miRNA-20a bzw. mit RISCs aus HeLa-Zelllysat konnte das Argonautenprotein jedoch nicht eindeutig mittels Westernblot nachgewiesen werden. Anhand des reduktiv aktivierbaren Benzyl-Konjugats konnte gezeigt werden, dass sich das Konjugat in Zelllysat zersetzt und nur ein Teil zu Addukten mit Nukleobasen reagiert. Die Ursache wurde in der hydrolyselabilen Abgangsgruppe gesehen, sodass weitere photolabil geschützte Derivate mit Dimethylamino-, Trimethylammonium-, Pivaloylester- und Benzoylestergruppe synthetisiert wurden. Von diesen war nur das Benzoylester-Konjugat in der Lage, RNA mit 72 % Ausbeute nach 48 Stunden zu alkylieren. Zudem war es für mindestens 1 h in Zelllysat stabil.

2010 ◽  
Vol 58 (3) ◽  
pp. 189-197 ◽  
Author(s):  
Axel Kobelt ◽  
Michael Winkler ◽  
Julia Göbber ◽  
Wolfgang Pfeiffer ◽  
Franz Petermann

Die psychosomatische Rehabilitation von Migranten ist in vielen Fällen nicht erfolgreich. Neben der sprachlichen Barriere wird die sozialmedizinische Situation, die Somatisierungstendenz, aber auch der häufig zu späte Zeitpunkt der Behandlung zur Erklärung herangezogen, dass Migranten sich bei Aufnahme in eine psychosomatische Rehabilitationsklinik bereits in einem fortgeschrittenen Desintegrationsprozess befinden. Fragestellung und Methodik: Es wird untersucht, welche Vorhersagevalidität der Migrationshintergrund für die subjektive Prognose der Erwerbstätigkeit unter Berücksichtigung persönlicher und umweltbezogener Faktoren hat. 640 Rehabilitanden wurden zu Beginn der stationären Rehabilitation hinsichtlich ihrer Beschwerdebelastung, ihrer Arbeitsmotivation, zum Mobbingerleben und zur subjektiven Prognose der Erwerbstätigkeit befragt. Ergebnisse: 28.5 % der Rehabilitanden hatten einen Migrationshintergrund. Die subjektive Prognose der Erwerbstätigkeit war vom Ausmaß der Beschwerdebelastung und der Motivation, sich mit arbeitsbezogenen Problemen auseinanderzusetzen, abhängig. Gleichzeitig erhöhte die Unterschichtzugehörigkeit das Risiko einer negativen Prognose. Der Einfluss des Migrationshintergrundes dagegen hatte eine nachgeordnete Bedeutung. Diskussion: Zur Verbesserung der Rehabilitationsprognose müssen persönliche und Umweltfaktoren unabhängig vom Migrationsstatus im Rehabilitationsplan berücksichtigt werden. Ein kultursensibles und arbeitsplatzbezogenes Fallmanagement könnte die Versorgung von Migranten zielführend verbessern.


1982 ◽  
Vol 21 (03) ◽  
pp. 110-113 ◽  
Author(s):  
M.-S. Jiang ◽  
E. G. Corley ◽  
H. N. Wagner ◽  
M.-F. Tsan

N-Formyl Nle-Leu-Phe-Nle-Tyr-Lys ist ein wirksames synthetisches chemotaktisches Peptid (CP), welches sich mit hoher Affinität an chemotaktische Rezeptoren von neutrophilen Leukozyten bindet. Da das Peptid einen Tyrosin-Anteil enthält, kann es leicht mit radioaktivem Jod markiert werden. In dieser Arbeit haben wir die Möglichkeit der Abszeß-Lokalisierung durch intravenöse Gabe von radioaktivem CP untersucht. Das Peptid wurde nach der Chloramin-T-Methode mit 125J markiert und mittels Bio-Gel-P-2-Chromatographie gereinigt. Die endgültige Lösung hatte eine Reinheit von 88.5 ± 3.8% (n = 6) und eine spezifische Aktivität von 600-800 Ci/mM. Das jodierte CP zeigte eine spezifische Bindung an neutrophile Leukozyten des Kaninchens; die Anlagerung konnte durch nicht-markiertes CP verhindert werden. Nach Injektion von 4-6 ng 125J-CP/kg Körpergewicht in Kaninchen mit experimentellen Abszessen fand eine vorübergehende Neutropenie statt, gefolgt von einer Rebound-Neutrophilie. Das Verhältnis Abszeß zu Muskel (A/M) war 11.6 ± 1.1 nach 6 Std. und 11.0 ± 4.7 nach 24 Std., während das Verhältnis Abszeß zu Blut (A/B) 0.9 ± 0.2 nach 6 Std. und 3.7 ± 0.6, 24 Std. nach der Injektion war. Kontrolltiere, injiziert mit 125J, wiesen ein A/M-Verhältnis von 2.9 ± 0.2 und A/B-Verhältnis von 0.9 ± 0.3, 6 Std. nach der Injektion auf. Die Analyse der Radioaktivität im Blut nach 125J-CP-Gabe zeigte, daß der überwiegende Anteil (> 87%) als 125J-CP in der Plasmafraktion vorhanden war. Unsere Resultate geben Anlaß zur Vermutung, daß Radiojod-markiertes, synthetisches CP ein geeignetes Agens zur Abszeßlokalisierung sein kann. Allerdings ist eine weitere Verfeinerung der Methode notwendig.


1995 ◽  
Vol 34 (03) ◽  
pp. 87-91 ◽  
Author(s):  
M. Biedermann ◽  
B. Grün ◽  
B. M. Dohmen ◽  
O. Sabri ◽  
C. Friedberg ◽  
...  
Keyword(s):  

ZusammenfassungMit der KST und der MIBI-Onkoszintigraphie stehen zwei neue Methoden für die Nachsorge des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms zur Verfügung. In der vorliegenden Studie wurde ihre klinische Eignung bei 21 Patienten mit und 34 Patienten ohne Rezidivverdacht im Vergleich zu Sonographie, Radiojodszintigraphie und hTg-Bestimmung geprüft. Es zeigte sich, daß die KST zwar die höchste Sensitivität für lokoregionäre Metastasen besitzt (100%), ein diagnostischer Zugewinn jedoch nur bei mediastinalen Herden erzielt werden konnte. Die MIBI-Onkoszintigraphie hatte eine geringere Trefferquote (67%), doch erlaubte sie aufgrund ihrer hohen Spezifität (93,5%) eine sichere Differenzierung zwischen reaktiv vergrößerten und metastatisch befallenen Lymphknoten; sie bietet sich daher bei fraglichen Befunden als einfache Alternative zur aufwendigeren, mit einem Absetzen der TSH-suppressiven Hormonmedikation verbundenen Radiojodszintigraphie an. Als Screening zur Erkennung von Tumorrezidiven bewährte sich die hTg-Bestimmung unter Zugrundelegung einer oberen Normgrenze von 3 ng/ml (Richtigkeit: 100%).


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