scholarly journals Editorial

2012 ◽  
pp. 3-5
Author(s):  
Julia Braun ◽  
Claudio Raveane ◽  
Markus Weilenmann

Die Behandlung von psychotisch Erkrankten ist für die Psychoanalyse eine besondere Herausforderung, da das entgrenzte Gegenüber immer wieder in Wahnvorstellungen versinkt, die gemeinhin als unteilbar gelten. Sprach- und Wortzerfall, Ich-Fragmentierung, Dissoziation, emotionale Starrheit, Halluzinationen und stumme Selbstversunkenheit sind nur einige der Symptome, denen sich Psychiater und Psychotherapeuten gleichermassen stellen müssen. Wie ist es möglich, unter diesen Umständen einen emotionalen und einen verbalen Zugang zu erlangen? Wie ist das Innenleben dieser Menschen zu verstehen? Wie kann der Wahn im psychoanalytischen Setting angegangen, bearbeitet und persönlich integriert werden? Welche Rolle, wenn überhaupt, können Deutungen in einem solchen Prozess spielen? Und wie kann man/frau sich auf das oftmals intervenierende Umfeld einstellen und solche Patienten angemessen tragen? Solche und ähnliche Fragen diskutieren die praxiserfahrenen Autoren und Autorinnen dieser Ausgabe.Unmittelbarer Anlass für dieses Heft ist Josi Roms Engagement für die psychoanalytische Psychotherapie mit psychotischen Menschen. Während neunzehn Jahren, von 1991–2010 führte er am Psychoanalytischen Seminar Zürich sein weitherum geschätztes Psychoseseminar durch, das von vielen angehenden und praktisch tätigen PsychoanalytikerInnen regelmässig besucht wurde. Auch bei der letztjährigen Gründung des «Dachverbandes Deutschsprachiger PsychosenPsychotherapie» (DDPP) in Berlin (6. Mai 2011) half Josi Rom tatkräftig mit. So entstand die Idee, ein Journal mit dem Themenschwerpunkt «Psychosen» herauszugeben, das sich auf die Tätigkeit Josi Roms bezieht, seine Arbeit würdigt und mitunter die Spuren nachzeichnet, die von seinen Psychose-Seminaren in die klinische Praxis geführt haben. Mehrheitlich kommen hier darum Autoren zu Wort, die seine Kurse besucht haben und heute auch psychotische Menschen psychoanalytisch betreuen.Die Beiträge zu diesem Schwerpunkt können in drei Gruppen unterteilt werden, nämlich erstens in Beiträge, die den möglichen theoretischen Rahmen für ein verbessertes Verständnis der Psychoseproblematik abstecken; zweitens in Beiträge, die einer kasuistischen Argumentationslinie folgen und der interessierten Leserschaft Einblick in teils langjährige, anspruchsvolle und emotional äusserst fordernde psychoanalytische Therapien gewähren; sowie drittens in Beiträge, die sich mit Josi Roms Arbeit und dessen Wirkung im Besonderen auseinandersetzen. Teilweise überschneiden sich die Argumentationslinien auch. Besonders freutuns, mit Prof. Dr. em. Christian Scharfetter und Prof. Dr. Stijn Vanheule auch zwei namhafte Wissenschaftler für einen Beitrag zu diesem Heft gewonnen zu haben, die sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven dem anstehenden Fragenkomplex stellen.Eröffnet wird das Leitthema mit einem offenen Brief, den Josi Rom mit dem vielsagenden Titel «Verrückt» an uns RedaktorInnen richtete, als er von unserem Unterfangen erfuhr. Darin legt er seinen Werdegang in der Auseinandersetzung mit dem Thema Psychose dar, diskutiert die Entwicklung seiner am Psychoanalytischen Seminar Zürich durchgeführten Kurse, würdigt die Rolle seiner Supervisoren und spekuliert über die Grundlagen, die zur scheinbar klaren Trennung in psychotische Wahnvorstellungen und Alltagsrealität geführt haben. Die eine Welt, so schreibt er, sei psychotisch diagnostiziert, die andere psychotisch legitimiert. Christian Scharfetter führt sodann mit klaren und klärenden Worten durch die teils verwirrende Begriffslandschaft und skizziert die Eckpfeiler der wohlwollenden und flexiblen psychoanalytischen Haltung, welche erfolgreiche therapeutische Prozesse ermöglichen kann. Explizit betont er, dass es keine therapeutische Anweisung, keine Strategie oder gar ein (normatives) Verfahren im Umgang mit solchen Menschen geben kann. Vielmehr sieht er den Therapeuten als Begleiter, Anreger, Unterstützer und Helfer, der sich in eine möglichst alltagsbezogene, lebensnahe und liebevolle Beziehung mit seinen Patienten einlässt. Sowohl Julia Brauns Beitrag zum psychoanalytischen «Verstehen» im Fall einer schizophrenen Patientin als auch Maribel Fischers Artikel über eine langjährige, hochfrequente psychoanalytische Psychotherapie greifen die einführenden Gedanken auf und weben sie in ihre kasuistischen Fallberichte ein. Julia Brauns Anliegen ist es zu zeigen, wie hilfreich Josi Roms Ansatz für die Entwicklung eines psychodynamischen Verständnisses schizophrener Menschen in der therapeutischen Arbeit ist. Sie berichtet über ihre mehrjährigen Erfahrungen als Psychotherapeutin in einer psychiatrischen Klinik und bezieht sich dabei exemplarisch auf ausgewählte Sequenzen des Therapieverlaufs einer jungen, schizophrenen Frau. Maribel Fischer arbeitet als selbständige Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin und zeigt, wie sie im Verlaufe des psychoanalytischen Prozesses in immer neue Rollen und Funktionen verwickelt wurde – von der Leidensbegleiterin über die Unterstützerin und Helferin bis zur Dolmetscherin von idiosynkratischen Wahnvorstellungen in externen Institutionen –, welche Settingmodifikationen sich dabei aufdrängten und wie sich die teils heftige Übertragungsdynamik gestaltete. Trotz all dieser Unwägbarkeiten ist es ihr Anliegen zu zeigen, dass psychoanalytische Psychotherapien gerade bei Menschen mit Psychosen sinnvoll sind. Gemeinsam mit Nicole Burgermeister, Colette Guillaumier und Elisabeth Haemmerli stellt Julia Braun eine Sammlung von Eindrücken und Erinnerungen vor, die Josi Roms Psychoseseminar bei dessen TeilnehmerInnen hinterliess. Mitunter wird dem Leser auch eine lebendige Innenansicht in die Kultur dieser Kurse vermittelt, welche ihre Bedeutung für die TeilnehmerInnen erahnen lässt. Mit den Beiträgen von Dagmar Ambass und Stijn Vanheule – sie schliessen das Schwerpunktthema ab – kommt es zu einer Verschiebung des Fokus. Dagmar Ambass stellt die Frage der gesellschaftlichen Bezüge in den Mittelpunkt – eine Frage, die besonders für Personen mit Migrationshintergrund virulent ist. Sie erzählt die Geschichte einer Afrikanerin, die nach ihrer Heirat mit einem Schweizer den kulturellen Kontext ihrer afrikanischen Bauerngesellschaft mit ihren vielfältigen symbolischen Bezügen verlässt, um ihr Glück in einer hochindustrialisierten Leistungsgesellschaft wie der Schweiz zu finden, hier aber leider psychotisch wird. Dagmar Ambass interessiert sich für die Frage, inwieweit das in afrikanischen Gesellschaften typische gegenseitige Geben und Nehmen die innere psychische Stabilisierung von Personen ermöglicht, die in unseren gesellschaftlichen Kontexten dekompensieren und warum. Sie untersucht die Bedeutung des Herausfallens aus den stabilisierenden gesellschaftlichen Bezügen, die zum Ausbruch der Psychose geführt haben könnten und sucht Erklärungen in einer originellen Verknüpfung von Lacans Konzept des Sinthom mit ethnopsychoanalytischen Ansätzen. Stijn Vanheule schliesslich stellt noch einmal die Frage des Verstehens von psychotischen Erscheinungen, diesmal aus theoretischer Sicht. In seinem von Patricia Kunstenaar aus dem Englischen übersetzten Artikel fragt er nach dem Wesen der psychotischen Halluzinationen und präsentiert eine Lacansche Sichtweise. Der Beitrag liefert eine Übersicht über die von Jacques Lacan in den 1950er-Jahren entwickelte Theorie der Halluzinationen. Vanheule folgt Lacan und begreift die Psychose als Unfähigkeit, die eigene Existenz als Subjekt in Beziehung zum Andern zu signifizieren. Sein Beitrag ist verständlich und flüssig geschrieben und er vermag darum auch Leser, die mit der Lacanschen Terminologie nicht oder nur wenig vertraut sind, zum Denken anzuregen. Weitere, ergänzende und lesenswerte Beiträge im Forumsteil runden dieses Heft ab.Julia Braun Claudio Raveane Markus Weilenmann

2000 ◽  
Vol 13 (1) ◽  
pp. 30-37 ◽  
Author(s):  
Friedel M. Reischies ◽  
Klaus-Peter Kühl ◽  
Michael Krebs

Zusammenfassung: Die klinische Erfassung von Gedächtnisstörungen erfolgt in der Regel über die Vorgabe von drei Merkwörtern. Derzeit existieren keine besseren Verfahren, die auch klinisch im Sinne eines «bedside testing» einzusetzen sind. Mit der Zehn-Wort-Merkliste wird ein für die klinische Praxis konzipiertes Verfahren vorgestellt, das die Mängel tradierter klinischer Untersuchungsansätze zur Erfassung von episodischen Gedächtnisleistungen überwinden hilft. Die Aufgabe, sich die Wörter zu merken, wird verbunden mit der Aufforderung, sich den vom Wort abgebildeten Begriff vorzustellen und mit einem tatsächlich vorhandenen Gegenstand (z. B. einem Tisch) hinsichtlich seiner Größe zu vergleichen. Durch dieses Vorgehen wird erreicht, daß für die Merkwörter bildliche Vorstellungen generiert und zugleich mögliche Reverberationen unterbunden werden. Eine im Rahmen einer Gedächtnisambulanz durchgeführte Studie unterstreicht die - im Vergleich mit anderen Untersuchungsverfahren - hohe diskriminative Bedeutung der Zehn-Wort-Merkliste bei der Trennung dreier Diagnosegruppen (Demenz, leichte kognitive Störung, funktionell gestörte, vorwiegend depressive Patienten) und Personen ohne psychiatrische Diagnose (Wilks'λ = 0.34). Die konkurrente Validität (rtc = 0.75) des Verfahrens is hoch. Es werden erste Ergebnisse aus Untersuchungen an gesunden Personen mit Hinweisen auf die Stabilität (rtt = 0.84, rtt = 0.86) der Zehn-Wort-Merkliste berichtet.


2014 ◽  
Vol 71 (10) ◽  
pp. 599-607 ◽  
Author(s):  
Martin Neuenschwander

Digitale Medien sind mittlerweile unentbehrlich in Schule, Beruf, Familie und Freizeit und durchdringen unseren Alltag immer stärker. Dazu vermögen sie die Menschen aller Altersstufen zu faszinieren dank vielfältiger und immer neuer Nutzungsmöglichkeiten für Kommunikation, Unterhaltung und Spiel. Von großer Relevanz sind diesbezüglich insbesondere soziale Netzwerke und Onlinespiele, an denen sich täglich Millionen beteiligen. Der Großteil der Bevölkerung nutzt diese interaktiven Medien funktional, selbstbestimmt und genussvoll. Andererseits belegen empirische Studien, dass eine Minderheit von 1 % bis 6 % ein dysfunktionales, suchtartiges Verhalten zeigt, typischerweise bei der Onlinekommunikation, beim Computerspiel oder beim Konsum von erotisch-pornografischem Bildmaterial. Das Störungsbild „Onlinesucht“ ist zwar eine Realität, figuriert bisher aber nicht als offizielle Diagnose in den Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM-5. Die Fachdiskussion über die nosologische Einordnung des Störungsbildes ist noch im Gang. Für die klinische Praxis existieren allerdings bereits jetzt valide diagnostische Hilfestellungen. Da das zur Verfügung stehende professionelle Beratungs- und Therapieangebot nur spärlich in Anspruch genommen wird, kommt der medizinischen Grundversorgung für die Früherkennung und Triage hinsichtlich adäquater Interventionen eine wichtige Bedeutung zu. Im deutschsprachigen Raum stehen verschiedene webbasierte Plattformen für Prävention, Beratung und Therapie zur Verfügung.


2017 ◽  
Vol 74 (3) ◽  
pp. 115-121
Author(s):  
Benedetta Terziroli Beretta-Piccoli ◽  
Diego Vergani ◽  
Giorgina Mieli-Vergani

Zusammenfassung. Autoimmunhepatitis (AIH) ist eine chronisch entzündliche immunvermittelte Lebererkrankung. Sie kann alle Altersgruppen betreffen und ist durch hohe Transaminase- und Immunglobulin G (IgG)- Werte, positive Autoantikörper sowie histologisch durch Grenzzonenhepatitis gekennzeichnet. Wenn unbehandelt, führt sie zu Zirrhose und Leberversagen; wenn sie aber rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird, hat die Erkrankung eine ausgezeichnete, langfristige Prognose. Die Behandlung basiert auf Steroiden und Azathioprin. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Punkte für die klinische Praxis zusammen.


2017 ◽  
Vol 74 (9) ◽  
pp. 503-509
Author(s):  
Klemens Gutbrod ◽  
Dörthe Heinemann ◽  
René Müri

Zusammenfassung. Eine erworbene Hirnschädigung ist die häufigste Ursache für eine chronische Behinderung im Erwachsenenalter. Trotz neurologischer Erholung können neuropsychologische Störungen persistieren und die Lebensqualität des Patienten einschränken. Aus diesem Grund ist die kognitive Rehabilitation eine wichtige Komponente der Neurorehabilitation. Kognitive Störungen nach einer Hirnschädigung finden sich am häufigsten in den Bereichen Gedächtnis, Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen und Neglect. Für jeden dieser Bereiche werden in dieser Überblicksarbeit die verschiedenen Therapiemöglichkeiten beschrieben. Für alle diese kognitiven Domänen existieren evidenzbasierte Studien zur spezifischen Therapiewirksamkeit, welche eine Empfehlung eines Standards für die klinische Praxis erlauben.


2011 ◽  
Vol 59 (2) ◽  
pp. 155-165 ◽  
Author(s):  
Sören Schmidt ◽  
Franz Petermann ◽  
Manfred E. Beutel ◽  
Elmar Brähler

Zusammenfassung. Die Erfassung von Beschwerden und der Befindlichkeit sind wesentlicher Teil eines klinisch-diagnostischen Prozesses. Da Angststörungen und Depressionen in hohem Maße mit verschiedenen psychischen und körperlichen Belastung einhergehen, wurden in dieser Studie primär die prädiktiven Eigenschaften der Beschwerden-Liste (B-LR) und der Befindlichkeits-Skala (Bf-SR) in revidierter Form mittels Regressionsanalysen (linear und hierarchisch) an einer Stichprobe von N = 2504 untersucht. Als abhängiges Kriterium galt die Ausprägung von Angst- und Depressionssymptomen, ermittelt über das Kurzscreening Patient-Health-Questionnaire-4 (PHQ-4). Da vermutet wurde, dass entsprechende Symptome auch einen Einfluss auf die Qualität sozialer Beziehungen des Betroffenen haben und die globale Lebenszufriedenheit beeinflussen, wurden zudem das Quality of Personal Relationships Inventory (QRI) sowie der Fragebogen zur Lebenszufriedenheit (FLZM) eingesetzt. Sowohl B-LR als auch Bf-SR verfügten über alle Altersgruppen und geschlechtsinvariant über hohe prädiktive Eigenschaften. Die Qualität sozialer Beziehung (QRI) eignet sich nicht zur Vorhersage von Angst und Depressionen. Globale Lebenszufriedenheit nimmt in der Altersgruppe 14–74 gegenläufig zum Anstieg von Angst- und Depressionssymptomen signifikant ab, in der Altersgruppe der ⩾ 75-jährigen Männern leistet diese jedoch keinen signifikanten Beitrag zur Varianzaufklärung. Bei den Frauen dieser Altersgruppe geht eine Erhöhung der Lebenszufriedenheit mit der Zunahme von Angst- und Depressionssymptomen einher. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass der Einsatz von B-LR und Bf-SR eine gute Informations- und Handlungsbasis für Forschung und klinische Praxis darstellen. Die unterschiedlichen Tendenzen innerhalb der Analysen zwischen Männern und Frauen weisen auf geschlechtsspezifische Verarbeitungsmechanismen hin. In höherem Alter sollte die Ausprägung von Beschwerden Indikator für die Ermittlung weiterer Ressourcen darstellen, um einen positiven Einfluss auf die Lebenszufriedenheit auszuüben.


2015 ◽  
Vol 63 (4) ◽  
pp. 217-232 ◽  
Author(s):  
Oliver G. Bosch ◽  
Barbara Breitenstein
Keyword(s):  

Zusammenfassung. Die Diagnostik depressiver Erkrankungen beruht auf kategorialen Klassifikationssystemen, die eine Vielzahl heterogener und teils konträrer Symptome zusammenfassen, deren komplexe biologische Grundlagen noch weitgehend ungeklärt sind. Die Diagnosestellung in der Psychiatrie und die damit verbundene Wahl der Behandlung erfolgen primär nur durch Sprache. Die biologische Charakterisierung der Pathophysiologie und Therapiemechanismen durch Biomarker und Gentests stellt eine der Sprache überlegene Organisation der Behandlung mit entsprechend höherer Erfolgsrate in Aussicht. Mithilfe von genetischen Untersuchungen, proteomischen und metabolomischen Profilen, neuroendokrinen und elektrophysiologischen Parametern und multimodaler zerebraler Bildgebung konnten bereits potentiell wichtige Biomarker für die biologische Charakterisierung depressiver Störungen und die Vorhersage des antidepressiven Behandlungserfolges identifiziert werden. Daraus wurden spezifische pathophysiologische Modelle entwickelt, so z. B. das Stress-Modell der Depression, das Serotoninmodell und das Modell der frontocingulären Dysfunktion. Dennoch konnte bislang kein Biomarker Eingang in die klinische Praxis der Depressionsbehandlung finden. Bis Ergebnisse aus der Labordiagnostik in die klinische Behandlungsroutine integriert werden, wird in der Depressionsbehandlung weiterhin die Sprache das letzte Wort haben.


Praxis ◽  
2019 ◽  
Vol 108 (6) ◽  
pp. 425-430
Author(s):  
Angela Moré
Keyword(s):  

Zusammenfassung. Der Text setzt sich nach einem kurzen historischen Abriss zur Entstehung der Erkenntnisse über transgenerationale Übertragungen mit aktuellen Auffassungen zu psychischem Trauma und verschiedenen Formen der Traumatisierung auseinander. Im Zentrum steht die Frage nach den psychischen Mechanismen der unbewussten Weitergabe von nicht verarbeiteten Traumata. Die Autorin verweist auf Zusammenhänge mit körpersprachlicher und affektiver Kommunikation, beginnend in der frühen Kindheit, und auf die Bedeutung von szenischem Erinnern und Verstehen nonverbaler Mitteilungen. Dabei werden auch unterschiedliche Reaktionen bei Nachkommen von Überlebenden des Holocaust oder Folteropfern und bei Nachkommen von Täter/innen in den Blick genommen. Abschliessend werden einige Schlussfolgerungen für die klinische Praxis vorgestellt.


Author(s):  
Yves Hänggi ◽  
Kirsten Schweinberger ◽  
Nicole Gugger ◽  
Meinrad Perrez
Keyword(s):  

Zusammenfassung. Die elterliche Sensitivität gegenüber Kleinkindern als zentrale Erziehungsfertigkeit wurde bisher vorwiegend durch Fremdbeobachtungsverfahren ermittelt. Für die Forschung und klinische Praxis werden jedoch zeitökonomische Paper-Pencil-Verfahren gefordert. Der Situations-Reaktions-Fragebogen zur Messung elterlicher Sensitivität (PS-SRQ) ist ein Selbstbeurteilungsinstrument mit drei Situationsvignetten und verhaltensorientiertem Antwortformat. Gemessen werden die vier Subskalen „Empathie”, „Promptheit”, „Zuwendung” und „Bestrafung” als Komponenten der Gesamtskala „Sensitivität”. Es werden drei Studien zur Konstruktion, Reliabilität und internen Validität präsentiert. Zusammenfassend verfügt der PS-SRQ über eine hohe interne Konsistenz und hat sich für Mütter als intern valide erwiesen. Für die Gruppe der Väter steht der Nachweis der Konstruktvalidität noch aus. Der PS-SRQ ist daher ein vielversprechendes Selbstbeurteilungsinstrument zur Erfassung der mütterlichen Sensitivität.


2012 ◽  
Vol 21 (3) ◽  
pp. 137-140 ◽  
Author(s):  
Franz Petermann ◽  
Ute Koglin
Keyword(s):  

Das Konzept „Psychopathy“ wird in den letzten Jahren für das Kindes- und Jugendalter spezifiziert und bietet die Chance, Extremformen aggressiv-dissozialen Verhaltens zu beschreiben und zu klassifizieren. Erscheinungsformen, Prävalenzraten und Verlaufsstudien tragen dazu bei, dass die Aussagekraft des Konzepts für die klinische Praxis zunimmt. Die Tatsache, dass das DSM-V sich dieser Subgruppe annimmt, wird die Akzeptanz des Konzeptes und Forschungsaktivitäten intensivieren.


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