Überleben 65- bis 70-jähriger Patienten mit Multiplem Myelom im Zeitalter von neuen Wirkstoffen und autologer Stammzell-Transplantation - Eine multizentrische, retrospektive, kollaborative Studie der Japanese Society of Myeloma und des European Myeloma Network
Neue Wirkstoffe wie Thalidomid, Lenalidomid oder Bortezomib haben einen Paradigmenwechsel in der Behandlung des Multiplen Myeloms (MM) herbeigeführt. Ob diese Wirkstoffe jedoch auch die Prognose von älteren Patienten verbessern, die sich bereits einer autologen Stammzell-Transplantation (auto-SZT) unterzogen haben, ist ungeklärt. Wir analysierten retrospektiv die Verläufe von 318 neu diagnostizierten Patienten im Alter von 65-70 Jahren, die zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 31. Dezember 2009 behandelt worden waren. Als Initialtherapie erhielten 192 Patienten eine konventionelle Chemotherapie, 88 ein Therapieschema mit neuen Wirkstoffen, 21 eine konventionelle Chemotherapie plus auto-SZT und die verbleibenden 17 eine Therapie mit neuen Wirkstoffen plus auto-SZT. Die mediane progressionsfreie Überlebensdauer betrug dabei 19,1; 24,5; 26,8 bzw. 35,2 Monate und das 5-Jahres-Gesamtüberleben (OS) 40, 62, 63 bzw. 87%. Die Initialtherapien mit neuen Wirkstoffen (p < 0,001) oder auto-SZT (p < 0,02) bewirkten eine signifikante Verbesserung des OS im Vergleich zur Gruppe ohne diese Behandlungsmodalitäten. Die Salvage-Therapie mit neuen Wirkstoffen bewirkte ebenfalls eine signifikante Verbesserung des Überlebens nach dem Rezidiv im Vergleich zu konventioneller Chemotherapie allein (p < 0,04). In einer multivariaten Analyse erwies sich die Anwendung neuer Wirkstoffe als unabhängiger prognostischer Faktor, der in signifikantem Maße mit einer Verlängerung des OS assoziiert war (p < 0,003). Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die neuen Wirkstoffe und die auto-SZT erhebliche Auswirkungen auf das OS bei geeigneten Kandidaten aus dieser Untergruppe der MM-Patientenpopulation hatten.Übersetzung aus Acta Haematol 2014;132:211-219 (DOI: 10.1159/000357394)