Klinik und Genetik von Augenentwicklungsstörungen: MAC-Spektrum und Vorderabschnittsdysgenesien

2019 ◽  
Vol 236 (03) ◽  
pp. 269-285 ◽  
Author(s):  
Barbara Käsmann-Kellner ◽  
Kayed Moslemani ◽  
Berthold Seitz

ZusammenfassungZur Steuerung der Entwicklung des okulären Phänotyps sind mehrere aufeinander abgestimmte Schritte von zeitlich und räumlich organisierten vernetzten Auslösern (Induktionen) notwendig. Dies wird auf dem Niveau der Transkription reguliert. Entscheidend sind hier die sog. Mastergene oder DNA-bindende Transkriptionsfaktoren PAX6, FOXC1, SOX2, FOXE3, OTX2, PITX2 und PAX2. Abhängig vom Phänotyp kann auf die Gestationszeit geschlossen werden, in der die okuläre Entwicklung tiefgreifend gestört wurde. Die Neuralleistenzellen tragen wesentlich zur Entwicklung der Augenstrukturen, insbesondere der vorderen Augenabschnitte, bei. Der Beitrag gibt zunächst einen kurzen Überblick über die embryonale Entwicklung okulärer Strukturen und stellt dann die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen der Augen vor: phänotypische und genetische Besonderheiten beim MAC-Spektrum (Mikrophthalmie, Anophthalmus, Kolobom) sowie bei Vorderabschnittsdysgenesien (Axenfeld-Rieger-Spektrum, Aniridie, Peters-Anomalie) und skizziert die bei diesen Erkrankungen auftretenden systemischen Beteiligungen. Bei der klinischen und genetischen Diagnostik ist der entscheidende Faktor die genaue phänotypische Charakterisierung, die jeder genetischen Diagnostik vorangestellt werden muss und nach der sich die Auswahl der diagnostischen Optionen richtet. Eine „Schrotschussdiagnostik“ auf alle beschriebenen Gene, die bei der embryonalen Augenbildung beteiligt sind, ist kostenintensiv und weniger effektiv als eine phänotypisch orientierte Selektion der für das beschriebene Erkrankungsbild häufigen Gene, gefolgt von den selteneren Genen in einem 2. oder 3. molekulargenetischen Schritt.

2018 ◽  
Author(s):  
W Paulus ◽  
U Friebe-Hoffmann ◽  
K Lato ◽  
W Janni

2007 ◽  
Vol 27 (04) ◽  
pp. 263-267 ◽  
Author(s):  
P. P. Nawroth ◽  
B. Isermann

ZusammenfassungDie Verfügbarkeit von Mäusen mit genetischen Defekten des hämostatischen Systems (Knock-out- und transgene Mäuse) hat es ermöglicht, die Bedeutung des Gerinnungssystems für die Entwicklung des Embryos und der Plazenta zu charakterisieren. Dabei wurde die Funktion der Thrombozyten erst kürzlich experimental untersucht. Diese Studien haben neue Einblicke in die Funktion von Thrombozyten für die Reproduktion gegeben. Das Fehlen embryonaler Thrombozyten infolge einer genetischen Ablation des Transkriptionsfaktors NF-E2 führt zu einer embryonalen Wachstumsverzögerung und verminderten Vaskularisation der Plazenta. Ein maternaler Thrombozytenmangel ist mit Plazentablutungen assoziiert, die jedoch keinen Einfluss auf das Überleben des Embryos oder der Mutter haben. Thrombozyten oder thrombozytäre Mediatoren regulieren die invasiven Eigenschaften und den Phänotyp humaner extravillöser Trophoblastenzellen. Im Gegensatz hierzu sind Thrombozyten und Fibrinogen, und somit die Fähigkeit Thrombozyten-Fibrin-Aggregate zu bilden, für die embryonale Entwicklung nicht erforderlich. Diese Daten beweisen, dass Thrombozyten eine Funktion für die Plazentaentwicklung und/oder -funktion haben, wohingegen Thrombozyten nicht für die Entwicklung des Embryos selber erforderlich sind. Das bedeutet, dass die embryonale Letalität von Mäusen mit genetischen Gerinnungsdefekten nicht auf das Fehlen einer Thrombzyten-Fibrin-Interaktion zurückgeführt werden kann, und das Gerinnungssystem durch andere Mechanismen, z. B. Regulation der intrazellulären Signaltransduktion durch Protease-aktivierbare Rezeptoren (PARs), die Entwicklung des Embryos reguliert.


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