Besprechungen
Nicola Gess staunt. Sie staunt über das Staunen, das vom Zaubertrick bis zum Spezialeffekt die Alltagskultur ebenso prägt wie die Experimentalkunst der Gegenwart, von der Gess’ Studie ihren Ausgang nimmt. Am Anfang des Staunens war nicht von ungefähr die Kunst. Denn für Gess steht mit dem Staunen eine ästhetische Emotion zur Diskussion. Ausgelöst wird sie ,,durch Phänomene, die die Grenzen des Gewöhnlichen in Richtung des Unerwarteten, des Außergewöhnlichen oder des Unmöglichen überschreiten“ (S. 15). Dass mit dieser radikalen Offenheit aber nicht nur eine ästhetische Einstellung zur Welt, sondern auch eine politische einhergeht, ist die Pointe der Argumentation. Gess leistet mit ihrer Erforschung des Staunens daher einen genuinen Beitrag zur politischen Ästhetik.