Child Survivors in Deutschland
Die Child Survivors, deren seelische Entwicklung am nachhaltigsten von der Nazi-Verfolgung geprägt und beschädigt wurde, werden oftmals noch heute nicht wahrgenommen und anerkannt. Während Tilo Held in der Zeitschrift Psyche (8/2014) über eben diese Gruppe erklärte, »die Zeit ihrer Implikation in Forschungsprojekte ist vorbei«, widmen sich die Autoren mit ihrer Forschungsarbeit den psychosozialen Spätfolgen der Verfolgung der Child Survivors und postulieren eine vierte Sequenz des traumatischen Prozesses im Alter. Anhand der Auseinandersetzung mit Child-Survivor-Tagungen im Jahr 2014 in Berlin werden Mikroprozesse des Szenischen Erinnerns der Shoah dargestellt, die sich sowohl auf die Trauma-Tradierung als auch auf zentrale Konflikte im deutsch-jüdischen Verhältnis im post-nationalsozialistischen Deutschland beziehen, wie sie sich auch im Forschungsprojekt des jüdischen Psychoanalytikers in Deutschland mit seinem nicht-jüdisch-deutschen Kollegen zugetragen haben. Das Einbrechen des Szenischen Erinnerns der Shoah in die Forschungsbeziehung wird als Manifestation einer konträren Holocaust Imagery verstanden. Einige Fallvignetten illustrieren das »Szenische Erinnern der Shoah« der Child Survivors.