scholarly journals Einleitung: Ethik der Integrität

2020 ◽  
Vol 7 (2) ◽  
pp. 119-132
Author(s):  
Stefan Knauß
Keyword(s):  

Das vorliegende Themenheft „Ethik der Integrität“ (Herausgeber: Stefan Knauß, Universität Erfurt) der Zeitschrift für Praktische Philosophie (ZfPP) vereint Beiträge aus der Rechts-, Moral- und Umweltphilosophie, die sich mit den deskriptiven und normativen Möglichkeiten und Grenzen von „Integrität“ beschäftigen. Die Untersuchung von Integrität nimmt dabei die Anwendung des Konzepts auf menschliche Personen und nichtmenschliche Naturwesen wie Tiere, Pflanzen und Ökosysteme in den Blick. Integrität impliziert im weitesten Sinne die Annahme, Wesen könnten und sollten als „ganze“ betrachtet, auch gegen innere und äußere Widerstände in der Lage sein, gemäß ihrer eigenen „Zwecke“ zu verfahren. Zwar taucht integritas bereits bei Cicero in De officiis und bei Thomas v. Aquin in Summa theologiae vereinzelt auf, doch nimmt die Begriffsverwendung vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu. Es scheint offenkundig ein Bedürfnis danach zu bestehen, z.T. recht unterschiedliche Phänomene als „Ganzheiten“ zu beschreiben und deren „Intaktheit“ positiv zu bewerten. Personen sollten hiernach in elementaren, ihre Identität dennoch im umfassenden Sinne betreffenden Aspekten in „Übereinstimmung“ mit sich selbst leben können. Die Integrität der Natur wird in wichtigen klimapolitischen Verträgen wie dem Abkommen von Paris (2015) sowie bei der Kodifizierung der Rechte der Natur z. B. in der Verfassung von Ecuador (2008) als Wert normativ vorausgesetzt. Das naturwissenschaftliche Paradigma des Anthropozäns verwendet ebenfalls eine umfassende Perspektive auf Mensch und Natur, die auch als Plädoyer für die Schutzwürdigkeit der Erde als „ganzer“ ausgedeutet wird. Noch wissen wir nicht, ob dem Konzept der Integrität im 21. Jahrhundert eine ähnliche „Karriere“ bevorsteht, wie sie der Begriff der Würde im 20. Jahrhundert erlebt hat. Dieses Heft ist ein Versuch, die verschiedenen Verwendungskontexte zu überblicken und einige stichprobenartig zu überprüfen.

Moreana ◽  
2009 ◽  
Vol 46 (Number 176) (1) ◽  
pp. 49-64
Author(s):  
John F. Boyle

This is a study of the two letters of Thomas More to Nicholas Wilson writ-ten while the two men were imprisoned in the Tower of London. The Dialogue of Comfort against Tribulation illuminates the role of comfort and counsel in the two letters. An article of Thomas Aquinas’ Summa theologiae is used to probe More’s understanding of conscience in the letters.


Moreana ◽  
2017 ◽  
Vol 54 (Number 207) (1) ◽  
pp. 36-56
Author(s):  
Gerard Wegemer

After establishing a context of More's lifelong engagement with the “calculus” of pleasure, this essay shows how the section devoted to the Utopians' pleasure philosophy is structured around five formulations of a “rule” to calculate “true and honest [honesta]” pleasure in ways that playfully imitate and echo the “rule” Cicero formulates several times in De officiis to discern one's duty when there seems to be a conflict between honestas et utilitas. When followed, the Utopian pleasure calculus shows the necessary role of societas, officii, iustitia, caritas, and the other aspects of human nature, most importantly friendship, that Cicero stresses in his rule and that he argued Epicurus ignored. Much of the irony and humor of this section depends on seeing the predominance of Ciceronian vocabulary in Raphael's unusual defense [patrocinium] of pleasure, rather than a Ciceronian defense of duty rooted in honestas. Throughout, however, this essay also shows how More goes beyond Cicero by including Augustinian and biblical allusions to suggest ways that our final end is not as Epicurus or the Stoics or Cicero claim; the language and allusions of this section point to a level of good cheer and care for neighbors and for God in ways quite different from any classical thinker.


Bijdragen ◽  
1986 ◽  
Vol 47 (4) ◽  
pp. 421-435
Author(s):  
FERDINAND DE GRIJS
Keyword(s):  

Sign in / Sign up

Export Citation Format

Share Document