scholarly journals Der Einfluss von Chemotherapie bei malignen pädiatrischen Erkrankungen auf kindliche Impftiter

2021 ◽  
Author(s):  
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Rebecca Bartsch

Hintergrund: Chemotherapie hat nicht nur einen Einfluss auf die Krebszellen, sondern auch auf das Immunsystem der Behandelten. In unserer Studie untersuchten wir den Impftiterverlust impfpräventablen Erkrankungen (Masern, Mumps, Röteln und Varizella zoster) bei Kindern und Jugendlichen, welche eine chemotherapeutische Behandlung wegen einer malignen Erkrankung erhielten. Methoden: Eingeschlossen in die retrospektive Studie wurden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter bis zum 21. Lebensjahr, welche zwischen 2001 und 2010 an der Kinderklinik für Hämatologie und Onkologie der Universitätsklinik Frankfurt am Main therapiert wurden. Es erfolgte die Analyse von Antikörper-Titer für Masern, Mumps, Röteln und Varizella zoster zum Diagnosezeitpunkt und erneut bis zu 12 Monate nach Therapieende. Ergebnis: Insgesamt konnten 195 Kinder und Jugendliche in die Studie eingeschlossen werden. 122 Probanden waren männlich, 73 weiblich. Die größte Patientengruppe war an ALL erkrankt (80 Patienten). Die übrigen Patienten verteilten sich auf 15 Patienten mit AML, 18 Patienten mit NHL, 22 Patienten mit Hodgkin Lymphom. 60 Patienten waren an soliden Tumoren erkrankt. Insgesamt haben 27%, 47%, 19% und 17% der Kinder und Jugendlichen ihren Impfschutz gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizella zoster verloren. Hierbei zeigte sich eine Altersabhängigkeit. In der Auswertung zeigte sich bei jüngeren Kindern unter 7 Jahren häufiger ein Titerverlust als bei den älteren Kindern und Jugendlichen. Auch an ALL-erkrankte und behandelte Kinder und Jugendliche verloren häufiger ihren Impfschutz als die Patienten mit anderen untersuchten Krebserkrankungen (AML, NHL, M. Hodgkin, solide Tumore). Fazit: Die Daten unserer retrospektiven Studie zeigen, dass eine signifikante Anzahl von Kindern und Jugendlichen durch eine chemotherapeutischen Behandlung ihre vorbestehenden Impftiter gegen impfpräventable Erkrankungen wie Masern, Mumps, Röteln und Varizella zoster verlieren. Dieser Verlust zeigt sich häufiger bei jüngeren Patienten und ALL-Patienten. Unsere Daten unterstreichen daher, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche nach Beendigung der Chemotherapie erneut zu impfen, um einen neuen ausreichenden Impfschutz gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizella zoster zu erhalten.

2019 ◽  
Vol 98 (04) ◽  
pp. 252-256
Author(s):  
Lisa Nachtsheim ◽  
Carina Pick ◽  
Jens Peter Klußmann ◽  
Johannes Löser ◽  
Jan-Christoffer Lüers

Zusammenfassung Hintergrund Die Sialendoskopie ist ein minimal-invasives Verfahren zur Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Speicheldrüsengangsystems. Sie kann in ITN und in LA durchgeführt werden. Vor diesem Hintergrund ist die postoperative Schmerzsituation interessant, über deren Ausmaß aktuell jedoch wenig bekannt ist. Daher wurden in dieser Studie die postoperativen Schmerzen nach Sialendoskopie in LA und ihr Schmerzmanagement in einer quantitativen Untersuchung erfasst und analysiert. Material und Methoden Es wurden 103 Patienten in die retrospektive Studie eingeschlossen, bei denen im Zeitraum von 2013 bis 2015 eine Sialendoskopie der Glandula parotis oder der Glandula submanibularis in Lokalanästhesie durchgeführt wurde. Analysiert wurden die postoperativen Schmerzen in Ruhe und bei Belastung am Operationstag, sowie am ersten und zweiten postoperativen Tag. Die Schmerzen wurden anhand einer numerischen Rating Skala (NRS 0–10) erfasst, welche im Rahmen des QUIPS-Projektes (Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie) verwendet wird. Ergebnisse Am Operationstag betrug der Schmerz in Ruhe 0,9 ± 1,9 und bei Belastung 0,7 ± 1,4. Am ersten postoperativen Tag wurden Schmerzen von 1,2 ± 1,8 in Ruhe und 0,9 ± 1,9 bei Belastung festgestellt. Am zweiten postoperativen Tag zeigte sich eine Reduktion der Schmerzen auf 0,75 ± 1,6 in Ruhe und 0,73 ± 1,5 bei Belastung. Insgesamt wurden Metamizol (Novalgin®) und Ibuprofen als häufigste postoperative Analgetika eingesetzt. Am Operationstag erhielten 37,9 % der Patienten Schmerzmittel, am ersten postoperativen Tag 26,2 % der Patienten und am zweiten postoperativen Tag 12,6 % der Patienten. Schlussfolgerung Sialendoskopien der Glandula submandibularis und parotis sind mit moderaten postoperativen Schmerzen verbunden, welche sich gut mit Nicht-Opioiden behandeln lassen.


Gefahrstoffe ◽  
2020 ◽  
Vol 80 (10) ◽  
pp. 405-414
Author(s):  
C. Maron ◽  
F. Schönfeld

In der vorliegenden Arbeit werden Anzahlkonzentrationen ultrafeiner Partikel (UFP) für den Messstandort Raunheim, nahe des Flughafens Frankfurt am Main, über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren ausgewertet. Für die Betriebszeiten des Flughafens zeigt die Gesamtauswertung der Daten eine um den Faktor 2,4 erhöhte mittlere UFP-Konzentration für Windrichtungen Nord bis Ost, d. h. für Wind aus Richtung des Flughafensektors, im Vergleich zur mittleren UFP-Konzentration für andere Windrichtungen. Um – bis zu einem gewissen Grad – zu differenzieren, inwieweit Überflüge bzw. Landeanflüge oder der Bodenbetrieb am Flughafen für hohe UFP-Konzentrationen in Raunheim verantwortlich sind, werden zusätzlich aus Schallpegelmessungen extrahierte Überflugzahlen herangezogen. Einzelne Tagesgänge stundengemittelter UFP-Konzentrationen und Überflugzahlen legen eine gewisse Korrelation nahe, erlauben aber nicht die Ableitung einer allgemeingültigen Zusammenhangsbeziehung. Die statistische Auswertung der Gesamtheit aller Daten zeigt hingegen einen Zusammenhang zwischen Konzentrationsmittelwerten und Überfluganzahl. Statistisch ergibt sich eine Zunahme von ca. 1 100 Partikeln pro cm3 pro zusätzlichem Überflug (pro Stunde).


2021 ◽  
Vol 55 (10-11) ◽  
pp. 741-747
Author(s):  
Tanja Schmidt

Zusammenfassung Die Stadtbücherei Frankfurt am Main beschreitet seit 2019 mit „Robotics – Stadtbücherei 4.0.“ neue Wege in ihrer Programmarbeit, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche. Mit einer vielfältigen Angebotspalette und verschiedenen Robotertypen bekommen alle Altersgruppen niedrigschwelligen Zugang zu Robotics und Coding. Die Angebote für Kinder und Jugendliche setzen mit Lernrobotern und einem offenen pädagogischen Konzept auf selbständiges, experimentelles und kollaboratives Lernen.


2017 ◽  
Vol 80 (04) ◽  
pp. 317-324 ◽  
Author(s):  
Maria Karathana ◽  
Bernhard Krackhardt ◽  
Manuela Schade ◽  
Ursel Heudorf

Zusammenfassung Fragestellung Die Untersuchung der Schulanfänger ist eine der wesentlichen Aufgaben der Kinder- und Jugendärztlichen Dienste der Gesundheitsämter. Während in allen Bundesländern die Untersuchung aller Erstklässler vor Schuleintritt gesetzlich klar festgeschrieben ist, ist die Situation für Seiteneinsteigende, d.h. Kinder im schulpflichtigen Alter, die aus dem Ausland in eine Gemeinde zuziehen und dort eingeschult werden, in den meisten Schulgesetzen nicht eindeutig geregelt. In dem Beitrag werden die Erfahrungen aus den Seiteneinsteigenden-Untersuchungen in Frankfurt am Main geschildert. Methode Alle aus dem Ausland nach Frankfurt zugezogenen Kinder im schulpflichtigen Alter werden im Gesundheitsamt untersucht. Diese Untersuchung umfasst eine mithilfe von Dolmetschern durchgeführte standardisierte fragebogengestützte Anamnese inkl. Durchsicht des ggf. vorhandenen Impfbuchs (Anamnesebögen sind in verschiedenen Sprachen vorhanden), einen Seh- und Hörtest sowie eine körperliche Untersuchung. Kinder über 15 Jahren, die aus Hochprävalenzländern für eine Tuberkulose kommen, wurden geröntgt (Röntgen-Thorax). Ergebnisse Von 2006 bis Ende 2016 wurden insgesamt 8245 Kinder- und Jugendliche untersucht. Auffälligkeiten im Hörscreening wiesen 4% der Untersuchten auf, im Sehscreening 22% – mit steigender Tendenz in den letzten Jahren. Bei zwei Drittel der Kinder blieb der Impfstatus unbekannt, ein Viertel der Kinder war ausreichend gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Pertussis geimpft, 19,5% waren gegen Masern immun (geimpft oder durchgemachte Erkrankung). Bei der körperlichen Untersuchung dominierten Erkrankungen der Atemwege, des Herzens und des Kreislaufs mit insgesamt 4% vor den Muskel-Skeletterkrankungen mit 3%. Läusebefall wurde bei 1,7% der Kinder festgestellt. Bei 0,7% der 2171 geröntgten Kinder wurde ein auffälliger Lungenbefund ermittelt, in keinem einzigen Fall eine Tuberkulose. Schlussfolgerung Fokus der Seiteneinsteigenden-Untersuchung ist ein schulbezogener Gesundheitsstatus. Auf Grundlage der Erfahrungen aus Frankfurt am Main ist festzustellen, dass die Untersuchung der aus anderen Ländern zugezogenen Seiteneinsteigenden sinnvoll erscheint, insbesondere das Seh- und Hörscreening, die körperliche Untersuchung und die Überprüfung des Impfstatus, ggf. mit Schließung der Impflücken. Demgegenüber erscheint eine ausführliche Entwicklungsdiagnostik bei den unmittelbar schulpflichtigen Kindern und damit bei fehlenden Fördermöglichkeiten vor Schulbeginn nicht vordringlich.


2021 ◽  
Author(s):  
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Natallia Brui

Verletzungen der Fingerkuppen stellen einen häufigen Grund für die Vorstellung in der Notaufnahme dar. Während viele Verletzungen konservativ behandelt werden können, benötigen einige Patienten eine operative Versorgung. Dabei kommen verschiedene operative Verfahren zur Anwendung, darunter eine Fingerkuppenrekonstruktion mit einer neurovaskulären Insel-Lappenplastik. Ziel der neurovaskulären Insel-Lappenplastik ist die Wiederherstellung einer taktil sensiblen und wieder belastungsfähigen Fingerkuppe ohne ein Längendefizit des Fingers. In der vorliegenden Studie wurden Langzeit-Behandlungsergebnisse mit einer mittleren Nachuntersuchungsdauer von 105 Monaten bei 28 Patienten mit 29 durch neurovaskuläre Insel-Lappenplastiken rekonstruierten Fingerkuppen in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt am Main erfasst. Die untersuchten Patienten hatten zum Zeitpunkt der Verletzung ein Durchschnittsalter von 38,4 Jahren. Es handelte sich überwiegend um männliche und berufstätige Patienten. Es wurden nur Fingerkuppenverletzungen mit freiliegenden Knochen (Allen-Klassifikation Zone III und IV) operativ versorgt. In unserer Studie traten am häufigsten die Verletzungen am Mittelfinger, Zeigefinger und Ringfinger auf. Die Mehrheit der Fingerkuppenverletzungen geschah in Folge eines Arbeitsunfalls, die Arbeitsunfähigkeitsdauer betrug ca. 6,1 Wochen. Die maximale Größe eines neurovaskulären Insel-Lappen lag bei 6 x 3,5 cm. Alle Patienten waren mit den Behandlungsergebnissen anhand der numerischen Rating-Skala und des DASH Fragebogens bezüglich Funktionalität sowie dem ästhetischen Outcome zufrieden und würden sich wieder operieren lassen. Die Sensibilität konnte anhand der Zwei-Punkte-Diskrimination sowie Semmes-Weinstein Monofilament-Testes als gut bewertet werden und normale physiologische Werte erreichen. Die Narbe war überwiegend weich und in der Mehrheit der Fälle entsprach sie anhand der Vancouver Scar Scale Werte annähend der normalen Haut. Zwei Drittel der Patienten gaben keine Schmerzen in Ruhe an. Die Hälfte der Patienten gaben Schmerzen unter Belastung anhand der numerischen Rating-Scala an. Trotz der hohen Anzahl von Krallennagelbildungen in 56,5 % und einer Differenz der Nagellänge bzw. Form waren alle Patienten mit dem Erhalt des Nagels zufrieden und haben dies subjektiv nicht als störend empfunden. Als besonders beeinträchtigend wurde eine Kälteempfindlichkeit von 48,3 % Patienten beschrieben. Der Mittelwert der Fingerkraft im Schlüsselgriff mit Hilfe des Pinch-Gauge zwischen Daumen und den vier Fingerspitzen im Wechsel wurde bei fast allen Messungen an den gesunden Fingern gering größer gemessen ohne eine statistisch signifikante Differenz. Die Messung der Handkraft mittels Jamar-Dynamometer ergab ein Defizit von 8,8 % (Vergleich betroffene zur gesunden Hand). Bei drei von 24 Patienten hat sich eine Beugekontraktur im Interphalangealgelenk von 5°, 15°, 20° und bei einem von 22 Patienten im distalen Interphalangealgelenk von 10° gebildet. Zum Nachuntersuchungszeitpunkt wurden durch die Untersucherin ein Hoffmann-Tinel- Zeichen in 24,1 % und Druckschmerz in 17,2 % im Bereich der verletzten Fingerkuppe festgestellt. Subjektiv empfand kein Patient diese Symptome als störend und alle berufstätigen Patienten konnten ihre vor dem Unfall ausgeübte Tätigkeit wieder aufnehmen. Diese Studie konnte belegen, dass die Defektdeckung der Fingerkuppenverletzungen mit Hilfe von neurovaskulären Insel-Lappenplastiken ein sehr gutes ästhetisches und funktionelles Ergebnis mit einer fast identischen Hautqualität erzielt. Mit dieser Methode konnte eine Wiederherstellung des Weichteilgewebes der sensiblen Fingerkuppe auch bei großflächigen Defekten der Fingerkuppe erreicht werden. Die subjektive Patientenzufriedenheit mit dieser Rekonstruktionsmethode ist hoch.


Author(s):  
Sefik Tagay ◽  
Sonja Düllmann ◽  
Enno Hermans ◽  
Nevena Repic ◽  
Regina Hiller ◽  
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Fragestellung: Angesichts der klinischen und wissenschaftlichen Bedeutung traumatischer Ereignisse und posttraumatischer Störungen hatte unsere Studie die Entwicklung und Überprüfung des Essener Trauma-Inventars für Kinder und Jugendliche (ETI-KJ) zum Ziel. Das neue Instrument erfasst ein breites Spektrum an potenziell traumatischen Ereignissen und soll ein geeignetes Screeningverfahren zur Identifikation der beiden Traumafolgestörungen Akute Belastungsstörung und Posttraumatische Belastungsstörung nach DSM-IV darstellen. Methodik: Das ETI-KJ wurde an einer Stichprobe von 276 Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren im Hinblick auf seine psychometrischen Kennwerte an klinischen und nicht klinischen Gruppen überprüft. Ergebnisse: Es fanden sich gute bis sehr gute Reliabilitätskennwerte, insbesondere für die Gesamtskala des ETI-KJ ergab sich eine sehr hohe interne Konsistenz. Die a priori angenommene Vier-Faktoren-Struktur (Intrusion, Vermeidung, Hyperarousal, Dissoziation) fand empirische Bestätigung. Hinweise auf eine sehr gute Konstruktvalidität zeigten sich durch signifikante Korrelationen des ETI-KJ mit weiteren Traumaskalen, Maßen der psychischen Befindlichkeit und der Ressourcenausstattung. Schlussfolgerungen: Mit dem ETI-KJ liegt im deutschen Sprachraum erstmals ein ökonomisches, reliables und valides Screeninginstrument zur differenzierten Erfassung traumatischer Ereignisse und posttraumatischer Störungen vor, dessen Einsatz sich sowohl im Forschungs- als auch im klinischen Kontext empfiehlt.


Author(s):  
Bastian Mester ◽  
Wiebke Guder ◽  
Arne Streitbürger ◽  
Christian Schoepp ◽  
Markus Nottrott ◽  
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Zusammenfassung Einleitung Bei konstant hohen Überlebensraten in der multimodalen Therapie von Knochensarkomen (Osteo- und Ewing-Sarkom) rücken in den letzten Jahren zunehmend die Lebensqualität sowie die Wiederaufnahme von körperlicher Aktivität und Sport in den Fokus. Heutzutage kann ein Großteil der Patienten extremitätenerhaltend mittels modularer Tumorendoprothetik behandelt werden. Es handelt sich vorwiegend um Jugendliche und junge Erwachsene mit präoperativ hohem sportlichen Aktivitätsniveau und entsprechendem Anspruch an die Tumorbehandlung. Ziel dieser Übersichtsarbeit ist die Beantwortung der Frage, welches körperliche Aktivitätsniveau und welche Sportarten Patienten nach Tumorendoprothetik aufgrund von Knochensarkomen realistisch erreichbar sind, des Weiteren der Einfluss von Interventionen auf das funktionelle Ergebnis und den Aktivitätsgrad. Methoden Es handelt sich um ein nicht systematisches Review mit Fokus auf Wiederkehr zu körperlicher Aktivität und Sport nach tumorendoprothetischem Gelenkersatz zur Behandlung von Knochensarkomen der unteren Extremitäten im Jugend- und jungen Erwachsenenalter. Es wurde die elektronische Datenbank PubMed hinsichtlich thematisch relevanter Artikel gescreent. Ergebnisse und Diskussion Das objektive körperliche Aktivitätsniveau (Gangzyklen/Tag, Gangintensitäten) ist nach Tumorendoprothetik der unteren Extremitäten kurzfristig und dauerhaft sowohl im Vergleich zum Gesunden als auch im Vergleich zu anderen Tumorentitäten (Leukämien) reduziert. Auch die sportmotorische Leistungsfähigkeit ist negativ beeinflusst. Generell zeigt sich eine Verbesserung der Ergebnisse mit zunehmender Follow-up-Dauer. Ein funktionelles Assessment ist erst sinnvoll zu erheben nach Beendigung der neoadjuvanten Behandlung, frühestens 12 Monate postoperativ. Im Langzeit-Follow-up erreichen Patienten mit Knochensarkomen nach Tumorendoprothetik der unteren Extremitäten hohe sportliche Aktivitätslevels (Sportart, Frequenz/Woche, UCLA-Score) mit einem Maximum nach 5 Jahren postoperativ, jedoch mit Verschiebung zu Low-Impact-Sportarten. Nur 20% der Patienten nehmen mittelfristig uneingeschränkt am Schulsport teil. Die Tumorlokalisation kann die sportliche Aktivität beeinflussen, nicht so das Auftreten von postoperativen Komplikationen. Individualisierte sporttherapeutische Interventionen während und nach multimodaler Therapie können kurzfristig den körperlichen Aktivitätsgrad (Gangzyklen/Tag, Gangintensitäten) verbessern, „Serious Games“ verbessern motorische Performance und posturale Kontrolle. Langfristig sind hierzu keine Daten vorliegend. Auch High-Impact-Sportarten wie Skifahren können mittels individueller Intervention erlernt und ausgeübt werden. Ein Zusammenhang zwischen hohem Aktivitätsgrad und früher Prothesenlockerung oder Frakturen konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Valide Daten zu körperlicher Aktivität und Sport nach Tumorendoprothetik der oberen Extremitäten sind nicht existent. Schlussfolgerung In der tumororthopädischen Behandlung von jungen Patienten mit Knochensarkomen muss dem präoperativ hohen sportlichen Aktivitätsniveau Rechnung getragen werden. Einschränkungen der körperlichen Aktivität beeinflussen die Lebensqualität und Psyche, dementsprechend muss ein Fokus in der Tumororthopädie auf Erhalt und Verbesserung dieser Faktoren liegen. Die Datenlage ist insgesamt schwach, weitere Studien mit Analyse der Sportfähigkeit im Speziellen sowie prospektive Interventionsstudien sind wünschenswert.


Author(s):  
Richard Hauser

ZusammenfassungDer Beitrag behandelt Ausmaß und Veränderung der Armut in Deutschland von 1962 bis 1995 und skizziert die in den kommenden Jahren zu erwartende Entwicklung. Es wird gezeigt, daß die Armut, gemessen an mehreren relativen Einkommensgrenzen sowie an der Sozialhilfeschwelle, seit Mitte der 70er Jahre allmählich zunimmt. In den neuen Bundesländern fand seit 1990 ein schneller Anstieg statt. Dieser Anstieg ist korreliert mit der sich stufenweise erhöhenden Arbeitslosigkeit, aber auch mit Veränderungen der Familienstruktur und Einschränkungen bei den Sozialversicherungen. Zwischen den Generationen hat sich eine tiefgreifende Verschiebung in der Armutsbetroffenheit ergeben. Waren in den 60er und 70er Jahren noch die Alten am stärksten betroffen, so sind es nunmehr Kinder und junge Erwachsene. Ausländer weisen seit Beginn der 80er Jahre höhere Armutsquoten als Deutsche auf. Selbst unter institutionellen Status- quo-Bedingungen kann eine weitere Zunahme der Armut keineswegs ausgeschlossen werden. Sollen absehbare Einschnitte in das der Sozialhilfe vorgelagerte System der sozialen Sicherung nicht zusätzlich armutserhöhend wirken, so muß das unterste Auffangnetz zur Sicherung eines sozio-kulturellen Existenzminimums gestärkt werden. Der Verfasser präferiert hierzu den Einbau von bedarfsorientierten und steuerfinanzierten Mindestsicherungselementen in vorgelagerte Sicherungssysteme.


2005 ◽  
Vol 14 (4) ◽  
pp. 237-243 ◽  
Author(s):  
Ellen Moens ◽  
Caroline Braet ◽  
Benedikte Timbremont

Zusammenfassung. Die vorliegende Studie untersucht, ob adipöse Kinder und Jugendliche im Vergleich zu Normalgewichtigen eine negativere Selbstbewertung und mehr depressive Symptome aufweisen. Des Weiteren wird untersucht, ob sich eine depressive Symptomatik - sofern diese innerhalb der adipösen Gruppe nachgewiesen werden kann - durch ein negatives Selbstkonzept erklären lässt. Bei insgesamt 151 Kindern und Jugendlichen im Alter von 9 bis 17 Jahren (75 adipöse, 76 normalgewichtige Kinder) und deren Eltern wurden anhand verschiedener Fragebogen depressive Symptome sowie Selbst- und Fremdeinschätzungen zu Kompetenzen und Verhaltenstendenzen der Kinder zu verschiedenen (Lebens-) Bereichen erhoben. Die statistischen Analysen ergaben signifikant negativere Selbstbewertungen der adipösen Kinder und Jugendlichen in Bezug auf den athletischen Bereich als einer speziellen Komponente des Selbstkonzeptes. Für den globalen Depressionswert fanden sich keine Unterschiede zwischen adipösen und normalgewichtigen Kindern und Jugendlichen. Jedoch berichteten die Eltern übergewichtiger Kinder und Jugendlicher signifikant häufiger über Konflikte mit ihren Kindern auf emotionaler und Verhaltensebene. Regressionsanalysen ergaben, dass 42 % der Gesamtvarianz des Children's Depression Inventory (CDI, Kovacs, 1992 ) durch eine negativere Selbstbewertung aufgeklärt werden kann.


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