scholarly journals Die Aufmerksamkeitsleistungen von Mammakarzinom-Patientinnen nach adjuvanter Krebstherapie und die Rolle von psychischem Stress

2021 ◽  
Author(s):  
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Nonda Hantke

Das Mammakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. Aufgrund der zu ver-zeichnenden steigenden Erkrankungs- als auch Überlebensraten werden stetig mehr Frauen mit der Diagnose Brustkrebs und ihren Folgen konfrontiert. Seit den 1990er Jah-ren wird eine kognitive Dysfunktion von Patientinnen nach Krebstherapie in der For-schung diskutiert, wobei die Hintergründe und Zusammenhänge dieses Phänomens bis heute strittig sind. Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der kognitiven Leistungsfä-higkeit mit einem Fokus auf Aufmerksamkeitsleistungen vor und nach einer adjuvanten Krebstherapie. In diesem Zusammenhang soll besonders der Einfluss von psychischem Stress auf die Aufmerksamkeit und ferner auch die subjektive kognitive Leistungsfähig-keit von Brustkrebspatientinnen beleuchtet werden. Dazu wurde die Aufmerksamkeitsfähigkeit von 20 Patientinnen, die in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Frankfurt am Main ange-bunden waren, zu jeweils zwei Messzeitpunkten anhand einer neuropsychologischen Testbatterie (Trail-Making Test, NeuroCogFX) untersucht. Die erste Messung erfolgte vor Therapieeinleitung, eine zweite Messung nach Beendigung einer adjuvanten Krebs-therapie. Gleichzeitig wurden Werte zu Depressivität, Angst, krankheitsbezogener Le-bensqualität und der kognitiven Funktionsfähigkeit mittels verschiedener Fragebögen (HADS, EORTC-QLQ C30, EORTC-QLQ BR23) erhoben. Eine Kontrollgruppe von gesunden Probandinnen (N=13) wurde nach den gleichen Vorgaben untersucht. 30% der Patientinnen hatten eine kombinierte Chemotherapie erhalten, eine Radiatio war bei 70% und eine antihormonelle Therapie bei 75% erfolgt. Die Testungen der Pati-entinnen fanden im Mittel 12 (SD 15,4) Tage nach OP statt. Die T2-Messungen erfolg-ten im Mittel 10,3 (SD: 3,2) Monate nach den T1-Messungen für Patientinnen und 7,3 (SD: 1,8) Monate für Kontrollprobandinnen. Alter, IQ und Bildungsniveau waren zwi-schen beiden Gruppen gleich, Unterschiede zeigten sich hinsichtlich der BMI- Werte und der sportlichen Aktivität. Es zeigten sich weder zum ersten noch zum zweiten Messzeitpunkt signifikante Unterschiede der Aufmerksamkeitsleistungen zwischen Pati-entinnen und der Kontrollgruppe. Unterschiede fanden sich lediglich zwischen beiden Zeitpunkten in der einfachen Reaktionszeit mit schlechteren Testleistungen während T2 sowie im TMT Teil B mit besseren Ergebnissen während T2 für beide Gruppen. Hoch-signifikant unterschieden sich dagegen Patientinnen von der Kontrollgruppe mit schlechteren Werten hinsichtlich Angst und Depression, der Lebensqualität sowie der empfundenen kognitiven Funktionen. Dabei war keine signifikante Veränderung der Werte zwischen T1 und T2 messbar. Eine Korrelation zwischen aufmerksamkeitsbezo-genen Testleistungen und psychischem Stress bestand nicht, weiterhin fand sich kein Zusammenhang zwischen subjektiver kognitiver Leistungsfähigkeit und objektiven Testergebnissen. Hochsignifikant korrelierten dagegen schlechtere Werte der subjektiven kognitiven Fähigkeiten mit erhöhten Werten für Angst und Depression. Auf Grundlage dieser Arbeit lässt sich kein relevanter Einfluss einer adjuvanten Krebs-therapie auf die Aufmerksamkeitsleistungen ableiten. Die Ergebnisse belegen aber signi-fikant erhöhte Werte für Depression und Angst von Brustkrebspatientinnen und den Einfluss von erhöhtem psychischem Stress auf die subjektive kognitive Funktionsfähig-keit. Diesbezüglich sollten zukünftige Behandlungsstrategien auch die subjektive kogni-tive Funktionsfähigkeit und in diesem Zusammenhang auch die spezifische Therapie von psychischem Stress in den Fokus rücken.

Diagnostica ◽  
1999 ◽  
Vol 45 (3) ◽  
pp. 154-162 ◽  
Author(s):  
Thomas Merten

Zusammenfassung. Auf dem Hintergrund der fortgesetzten Diskussion um den Einsatz von Screening-Instrumenten in der (neuro-)psychologischen Diagnostik wird eine retrospektive Datenanalyse durchgeführt, bei der die Testergebnisse des Syndrom-Kurztests (SKT: Erzigkeit, 1989 ) von 459 neurologischen Patienten sowie des Mini Mental Status Test (MMST: Folstein, Folstein & McHugh, 1975 ) von 447 Patienten Berücksichtigung finden. Die Ergebnisse in beiden Instrumenten korrelieren bei -0.59 miteinander (Rangkorrelation nach Spearman), weisen aber auch substantielle Korrelationen zu einer Reihe weiterer Verfahren auf, die traditionell zum Hirnschadens-Screening eingesetzt werden, wie dem Mosaik-Test des HAWIE, dem Benton-Test oder dem Trail Making Test. Nach Bereinigung der gröbsten Verteilungsanomalien kann an einer Teilstichprobe die Zweifaktorenstruktur des SKT, die bereits von anderen Autoren gefunden wurde, bestätigt werden. Dennoch sind die Ergebnisse der Klassifikation, die mit den beiden Verfahren erhalten werden, völlig unbefriedigend. 39.2 % der untersuchten Patienten wären nach beiden Instrumenten unter Benutzung der jeweils schärfsten Trennwerte ohne relevante kognitive Beeinträchtigungen bzw. in der Lesart früherer Diagnostik “nicht hirngeschädigt”, was weder dem tatsächlichen Vorliegen cerebraler Pathologie bei den Patienten noch den Ergebnissen einer weiterführenden neuropsychologischen Diagnostik entspricht. Dies wird auch anhand einer Zufallsstichprobe der “unauffälligen” Patienten illustriert. Aufgrund der Gefahr grober Fehlurteile muß vor einem Einsatz von Screening-Instrumenten außerhalb des Kontextes einer weiterführenden Untersuchung gewarnt werden. Dennoch wird die Ansicht vertreten, daß orientierenden Verfahren innerhalb des diagnostischen Prozesses durchaus ein sinnvoller Platz zukommen könnte.


2021 ◽  
Author(s):  
Oliver Rick ◽  
Monika Reuß-Borst ◽  
Timm Dauelsberg ◽  
Holger G. Hass ◽  
Volker König ◽  
...  

Zusammenfassung Ziel der Studie Die Mehrzahl der Patientinnen mit nicht-metastasiertem Brustkrebs kehrt nach der Tumortherapie wieder ins Erwerbsleben zurück. In nationalen und internationalen Studien wird eine Rate von bis zu 80% angegeben, die allerdings in Abhängigkeit vom untersuchten Studienkollektiv und den verschiedenen Sozialsystemen erheblich schwanken kann. Unklar ist hingegen, wie viele Patientinnen nach einer medizinischen Rehabilitation wieder ins Erwerbsleben reintegriert werden und welche klinischen, soziodemografischen und psychologischen Faktoren dabei eine Rolle spielen. Methodik Im Rahmen einer multizentrischen Studie wurden bei Patientinnen mit Brustkrebs zu Beginn ihrer medizinischen Rehabilitation die klinischen und soziodemografischen Daten erhoben. Außerdem wurden subjektiv erlebte Defizite der Aufmerksamkeitsleistung (FEDA), depressive Symptome (PHQ-9) und die gesundheitsbezogene Lebensqualität (EORTC QLQ-C30) mittels standardisierter Fragebögen erfasst. Die kognitive Leistungsfähigkeit wurde zusätzlich mittels einer computergestützten Testbatterie (NeuroCog FX) untersucht. Eine Nachbefragung erfolgte 6–9 Monate nach der medizinischen Rehabilitation. Auch die subjektive Einschätzung der eigenen kognitiven Leistungsfähigkeit (FEDA) wurde zu diesem Zeitpunkt erneut erhoben. Ergebnisse Es konnten 396 der ursprünglich 476 Patientinnen in die Studie eingeschlossen werden. Bei der Nachbefragung waren 323/396 Patientinnen (82%) wieder erwerbstätig. In einem Regressionsmodell erwiesen sich im Hinblick auf die berufliche Reintegration vor allem soziodemografische Faktoren als positiv prädiktiv: Erwerbstätigkeit zum Zeitpunkt der Tumordiagnose, nach der medizinischen Rehabilitation erhaltener Arbeitsplatz, Angestelltenstatus und stufenweise Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell (Nagelkerke R2=0,685). Dieses Modell konnte durch Hinzufügung psychologischer Variablen nicht verbessert werden. Die subjektiven Patientenangaben in allen Fragebögen waren hoch korreliert (r>0,57; p<0,001). Schlussfolgerung Die weit überwiegende Mehrheit der Patientinnen mit Brustkrebs kehrt nach einer medizinischen Rehabilitation ins Erwerbsleben zurück. Soziodemografische Faktoren spielen dabei eine entscheidende Rolle. Das hier entwickelte Regressionsmodell unter Einbeziehung des Erwerbsstatus, der beruflichen Ausrichtung und der stufenweisen Wiedereingliederung hat prädiktive Bedeutung und kann in der medizinischen Rehabilitation genutzt werden.


2016 ◽  
Vol 27 (4) ◽  
pp. 231-243 ◽  
Author(s):  
Bernd Kundermann ◽  
Stanislava Fockenberg ◽  
Nicole Cabanel ◽  
Matthias J. Müller

Zusammenfassung. Die Beziehung zwischen kognitiven Defiziten und Schlafstörungen depressiver Patienten wurde bisher wenig untersucht. Stationär behandelte depressive Patienten beantworteten Fragebögen zur Depressivität und Schlafqualität (Pittsburgh Sleep Quality Inventory, PSQI), gefolgt von neuropsychologischen Untersuchungen zu attentional-exekutiven Funktionsleistungen (Trail Making Test: TMT-A, TMT-B) an Tag 1 (abends) und Tag 2 (morgens). Patienten mit schweren Schlafstörungen (PSQI > 10, n = 8) erbrachten gegenüber Patienten mit maximal moderat ausgeprägten Schlafstörungen (PSQI ≤ 10, n = 8) signifikant geringere Leistungen im Rahmen des TMT-A und TMT-B. Signifikante positive Korrelationen zwischen dem Globalwert des PSQI und der TMT-B-Bearbeitungszeit blieben auch unter statistischer Berücksichtigung von Kovariaten erhalten. Diese Ergebnisse unterstreichen die enge Beziehung zwischen kognitiven Dysfunktionen und Schlafstörungen bei depressiven Patienten. Mögliche therapeutische Implikationen werden diskutiert.


2014 ◽  
Vol 25 (2) ◽  
pp. 89-97 ◽  
Author(s):  
Sebastian Bodenburg

Negative Antwortverzerrungen werden quantitativ mit expliziten Beschwerdenvalidierungstests oder mit eingebetteten Parametern untersucht. Es wird die Kriteriumsvalidität der Standardabweichung von Reaktionszeiten als eingebetteter Parameter zur Untersuchung negativer Antwortverzerrungen überprüft. In die Studie wurden 26 Frauen und 65 Männer mit Schädelhirnverletzungen einbezogen. Abhängige Variable war die Standardabweichung der Reaktionszeiten (Untertest Alertness, Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung). Prädiktorvariablen in der multivariaten Kovarianzanalyse waren das Alter der Probanden und folgende Testrohwerte: Trail Making Test (Formen A und B), Parameter GSI der Symptomcheckliste, Untertest Zahlennachsprechen vorwärts aus der Wechsler Memory Scale, Strukturierter Fragebogen Simulierter Symptome, der mittlere Wert der in Prozentzahlen ausgedrückten richtigen Antworten der Parameter IR, DR und CNS des Word Memory Tests (WMT), das Geschlecht der Probanden sowie die dichotomisierte Gruppierung von Patienten mit oder ohne klinisch fassbaren Auffälligkeiten der Aufmerksamkeit. Von den Prädiktorvariablen stellte sich allein der mittlere Wert der in Prozent ausgedrückten richtigen Antworten des WMT als signifikant heraus. Probanden mit einer geringen Anzahl richtiger Antworten im WMT zeigten größere Standardabweichungen. Alle weiteren einbezogenen Prädiktoren – insbesondere beide Aufmerksamkeitsparameter – hatten in Bezug auf die Standardabweichungen keinen signifikanten Einfluss.


Author(s):  
Micha Werner ◽  
Maike Hofsaess ◽  
Anina Burgbacher ◽  
Katarina Müller ◽  
Matthias Martin ◽  
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Zusammenfassung. Fragestellung: Das Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, das neuropsychologische Funktionsniveau, die Behandlungszufriedenheit und die Medikation bei Kindern und Jugendlichen zu evaluieren, die an einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis erkrankt sind und zum Zeitpunkt der Untersuchung an einer stationären Eingliederungsmaßnahme in dem Kinder- und Jugendwohnheim Leppermühle teilnahmen. Zusätzlich sollen bekannte Prädiktoren auf ihren Einfluss auf verschiedene Verlaufsvariablen hin untersucht werden. Methodik: Es konnten 42 Patienten (37.2 %) der insgesamt 113 Bewohner des Kinder- und Jugendwohnheims mit einer entsprechenden Diagnose untersucht werden. Ergebnisse: Die Patienten waren bei Erkrankungsbeginn durchschnittlich 14.5 Jahre alt und zum Zeitpunkt der Untersuchung waren sie im Mittel 20.0 Jahre alt. Für den Gesamtintelligenzquotient lag der Wert bei 87.0 Punkten, für den Trail Making Test Teil A (TMT-A) bei 73.1 Punkten und für den Trail Making Test Teil B (TMT-B) bei 75.6 Punkten. Die Behandlungszufriedenheit lag in allen Skalen und Subskalen des Fragebogens zur Beurteilung der Behandlung (FBB) bei 2.50 bis 3.50 Punkten, was einer guten Bewertung entspricht. Die Medikation entsprach nicht in allen Punkten den Leitlinien. Als Prädiktoren für das neuropsychologische Funktionsniveau konnte nur die prämorbide kognitive Leistungsfähigkeit bestätigt werden. Schlussfolgerungen: Die gefundenen Ergebnisse im Wechsler Adult Intelligence Score IV (WAIS-IV) und im TMT-A/B sprechen für eine deutliche Beeinträchtigung der Patienten im neuropsychologischen Funktionsniveau und decken sich überwiegend mit den Werten bisher durchgeführter Studien.


1992 ◽  
Vol 6 (1) ◽  
pp. 71-75 ◽  
Author(s):  
Bård Fossum ◽  
Haakon Holmberg ◽  
Ivar Reinvang

2011 ◽  
Author(s):  
Paola Suarez ◽  
Tamar H. Gollan ◽  
Lidia Artiola ◽  
Igor Grant ◽  
Robert Heaton ◽  
...  

2017 ◽  
Vol 10 (1) ◽  
pp. 77-82 ◽  
Author(s):  
Maira Rozenfeld Olchik ◽  
Marciéle Ghisi ◽  
Amanda Manera Freiry ◽  
Annelise Ayres ◽  
Artur Francisco Shumacher Schuh ◽  
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1964 ◽  
Vol 12 (01) ◽  
pp. 269-281 ◽  
Author(s):  
K Breddin
Keyword(s):  

ZusammenfassungEs wird eine neue Methode zur Bestimmung der Thrombozytenadhäsivität beschrieben, bei der die Thrombozyten im unverdünnten Nativplasma gezählt werden. Die an der Wand einer Bürkerkammer nach einer Kontaktzeit von 10 Minuten mit unverdünntem Plasma anhaftenden Thrombozyten werden ebenfalls gezählt. Aus beiden Zahlen wird ein Adhäsivitätsindex ermittelt. Mit der Methode ist neben der Ermittlung der Plättchenadhäsivität eine Beurteilung der spontan auftretenden Plättchenaggregation und -agglutination möglich. Bei 30 Normalpersonen fand sich ein arithmetrischer Mittelwert von 1,24 bei einer Schwankungsbreite von 0,57-2,7. Bei 30 Patienten mit einer gesteigerten Thrombozytenagglutination (ermittelt durch den Agglutinations-test η. Breddin u. Bauke) fand sich ein Mittelwert von 1,93 bei einer Schwankungsbreite von 0,69-4,60. Die verminderte Thrombozytenadhäsivität bei der von Willebrandschen Erkrankung konnte bei 2 Patienten durch Inkubation des thrombozytenhaltigen Patientenplasmas mit plattchenfreiem Normalplasma normalisiert werden. Bei einem dieser Patienten war nach Übertragung von Cohnscher Fraktion I die Plättchenadhäsivität vorübergehend gesteigert. Die Beziehungen zwischen Thrombozytenadhäsivität und Thrombozytenstoff-wechsel sowie den Eigenschaften der verwendeten Kontaktflächen werden diskutiert. Insbesondere wird auf die durch Aggregation und Agglutination bedingte gesteigerte Thrombozytenadhäsivität und ihre Bedeutung für die Entstehung und Erkennung von Gefäßkrankheiten hingewiesen.


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