Stoffwechselmonitoring in kleinen und mittelgroßen Milchrindbetrieben im Emsland
ZusammenfassungGegenstand: Komplexe Auswertung 5-jähriger Stoffwechselanalysen in Kleinbetrieben hinsichtlich Indikationen, Durchführung und Ergebnissen.Material und Methoden: Insgesamt 793 Blutserumproben von Kühen in unterschiedlichen Laktationsstadien sowie von Färsen (122 Einsendungen aus 53 Betrieben) wurden auf die Parameter freie Fettsäuren (FFS), β-Hydroxybutyrat (BHB), Cholesterol, Harnstoff, Kreatinin, Glukose, Gesamteiweiß, Albumin, Bilirubin, Leberenzyme, Kreatinkinase (CK), β-Carotin, Elektrolyte und Spurenelemente untersucht. Ergebnisse: Etwa ein Fünftel der Untersuchungen erfolgten allein zur Kontrolle des Stoffwechselstatus. Die weiteren Einsendungsgründe entsprachen den Merzungsursachen. Die FFS zeigten im Laktationsverlauf ante partum mit 56,7% die häufigsten Referenzwertabweichungen. Bis 8 Wochen post partum (p. p.) verringerte sich dieser Anteil auf 36–38% und später auf < 11%. Die BHB-Referenzwertabweichungen überschritten in der gesamten Laktation 68%. Die Harnstoffkonzentration lag in der Mittel- und Spätlaktation zu 40–50% über dem Referenzbereich. Eine Hypokalzämie trat in der 1. Woche p. p. zu 13,2% auf, eine Hypophosphatämie zu 6,6%. Für die CK wurden Referenzwertabweichungen mit einem Anteil von 60,4–90,9% ermittelt. Ein Selen- und Kupfermangel bestand zu ca. 15%. Färsen wiesen mit 21,3% häufiger als die Kühe eine Kupferunterversorgung auf. Ein β-Carotin-Mangel ergab sich ante partum zu 50% und post partum zu 47,1–77,8%. Nachteilige Referenzwertabweichungen nahmen von 2006 bis 2011 bei FFS, Harnstoff, β-Carotin und Selen zu, korrelierend mit den Milchpreissenkungen 2009 und 2010. Referenzwertabweichungen von BHB, CK, Cholesterol, Kalzium und anorganischem Phosphat blieben auf einem Niveau. In 80% der Betriebe verbesserte sich der Stoffwechselstatus im Kontrollzeitraum. Schlussfolgerung: Auch in kleineren Betrieben decken Stoffwechselscreenings peripartal frühzeitig Ursachen für die häufigsten Merzungsgründe auf und bieten Optionen für korrigierende Maßnahmen.