Heldentum gegen Todesangst und Psychopathologie: “Selbstwert” als protektiver Faktor in der ambulanten Psychotherapie

2019 ◽  
Vol 30 (4) ◽  
pp. 271-280 ◽  
Author(s):  
Fabian Chmielewski ◽  
Sven Hanning ◽  
Julia Swidder-Darku ◽  
Bianca Ueberberg ◽  
Georg Juckel ◽  
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<b><i>Hintergrund:</i></b> Die Befunde der bisherigen Untersuchungen legen nahe, dass die Angst vor dem Tod ein wichtiger Faktor bei der Entstehung psychischer Erkrankungen ist. Insbesondere die Terror-Management-Theorie geht davon aus, dass Menschen zwei verschiedene Strategien anwenden, um mit Todesangst umzugehen: (1) Sie versuchen, ihren Selbstwert zu steigern; (2) sie halten die Werte ihrer Kultur hoch. <b><i>Patienten und Methoden:</i></b> Im Rahmen einer prospektiven Studie wurden 56 ambulante Psychotherapie-Patienten (29 Frauen, Alter 42,8 Jahre, SD 13,8) vornehmlich mit depressiven Störungen mittels Interview/Fragebögen u.a. zu Angst vor dem Tod (BOFRETTA) sowie Religiosität untersucht. <b><i>Ergebnisse:</i></b> Die Angst vor dem Tod korrelierte signifikant mit der Schwere der psychischen Symptomatik (BDI), Neurotizismus (NEO-FFI) sowie dem Hochhalten kultureller Werte (LeBe). Erwartungsgemäß zeigte sich ein signifikanter negativer Zusammenhang von Selbstwert und Angst vor dem Tod. Dieser zeigte sich nicht bei Vergleichsvariablen wie Lebenssinn, Religiosität und Spiritualität. <b><i>Diskussion und Schlussfolgerungen:</i></b> Die Angst vor dem Tod spielt bei der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Probleme eine wesentliche Rolle. Ein wichtiger protektiver Faktor gegen diese scheint das Selbstwertgefühl zu sein. Es lässt sich vermuten, dass das Hochhalten kultureller Werte zwar ein unbewusster Versuch ist, gegen die Angst vor dem Tod (und die psychische Symptomatik) vorzugehen, dieser allerdings nicht wirksam ist.

Author(s):  
Anja Bischof ◽  
Christian Meyer ◽  
Gallus Bischof ◽  
Nadin Kastirke ◽  
Ulrich John ◽  
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Ziel: Die vorliegende Studie berichtet über die Inanspruchnahme von suchtspezifischen Hilfen bei Pathologischen Glücksspielern. Methode: Die Bevölkerungsstichprobe basiert auf 15 023 Probanden, deren Telefonnummern zufällig gezogen wurden. Zusätzlich wurden in 39 Glücksspielstätten 303 Spieler befragt. Mit einem computergestützten telefonischen Interview wurden Spielverhalten und Spielprobleme bezogen auf die Lebenszeit erfragt. In beiden Stichproben zusammen wurden 232 Probanden erfasst, die im Verlauf ihres Lebens pathologisch gespielt hatten. Von ihnen erhielten 105 Personen ein vertiefendes klinisches Interview. Ergebnisse: Von den Befragten berichteten 20 % Kontakt zum Hilfesystem im Verlauf ihres Lebens. Weitergehenden Kontakt berichteten 10,5 %, am häufigsten wurden Suchtberatungsstellen (5,7 %), Selbsthilfegruppen (4,8 %) und ambulante Psychotherapie (3,8 %) genannt. Inanspruchnahme formeller Hilfen war mit der Problemschwere assoziiert (p = .022). Außerdem zeigte sich ein Zusammenhang zwischen bestimmten DSM-IV Kriterien und dem Kontakt zum Hilfesystem. Schlussfolgerungen: Es ist von einer gravierenden Unterversorgung Pathologischer Glücksspieler auszugehen. Glücksspielspezifische Hilfeangebote scheinen die Betroffenen bislang nicht in ausreichendem Maße zu erreichen.


2018 ◽  
Vol 66 (1) ◽  
pp. 48-60 ◽  
Author(s):  
Matthias Backenstrass ◽  
Markus Wolf

Zusammenfassung. Internet- und mobilbasierten Interventionen wird großes Potenzial in der Behandlung von Menschen mit depressiver Symptomatik zugeschrieben. Diese Einschätzung hat sich in den letzten Jahren vor dem Hintergrund mehrerer Programmentwicklungen und einer Vielzahl von Studien zur Wirksamkeitsprüfung der zumeist auf der kognitiven Verhaltenstherapie basierten Angebote etabliert. Ziel der vorliegenden Übersichtsarbeit ist es, zu prüfen, inwieweit sich aus der empirischen Befundlage wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für die Versorgungsbereiche Prävention, Primärversorgung, ambulante Psychotherapie, fachärztliche Versorgung sowie die stationäre Behandlung ableiten lassen. Hierfür werden die Ergebnisse ausgewählter Studien, die in den genannten Versorgungsbereichen angesiedelt sind und die Erhebung der Diagnose depressive Störung auf ein Expertenurteil stützen, kritisch bewertet. In der Schlussfolgerung ermöglicht die gegenwärtige Studienlage keine eindeutige Empfehlung zum Einsatz von internetbasierten Behandlungsprogrammen in den genannten Versorgungsbereichen.


2011 ◽  
Vol 40 (4) ◽  
pp. 283-297 ◽  
Author(s):  
Wolfgang Lutz ◽  
Jan R. Böhnke ◽  
Katharina Köck ◽  
André Bittermann

Zusammenfassung. Als erstes dieser Art in Deutschland zielt das Modellprojekt „Qualitätsmonitoring in der ambulanten Psychotherapie” darauf ab, ein modifiziertes Qualitätssicherungs- und Rückmeldeverfahren in der Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen hinsichtlich seiner Einsetzbarkeit zu untersuchen. Im vorliegenden Beitrag werden die Aspekte der Eingangsdiagnostik, des Rückmeldesystems, der Patientenzufriedenheit, der Therapiedauer und der Evaluation des Projektes durch die Patienten vorgestellt. In der Interventionsgruppe (IG) wurden Checklisten zur Diagnosestellung genutzt und im Gegensatz zur Kontrollgruppe (KG) ebenfalls kontinuierliche Rückmeldungen zum Therapiefortschritt im Verlauf gegeben. Daten zu Therapiebeginn lagen von 1708 Patienten (IG:1031; KG:677) und 245 Therapeuten vor. Die ambulante Psychotherapie stellte sich als effektives Verfahren bei klar psychisch belasteten Personen heraus. In der IG (Einsatz Diagnosechecklisten) wurden im Vergleich zur Kontrollgruppe (KG) insgesamt mehr Diagnosen pro Patient durch die Therapeuten vergeben. Der überwiegende Teil der Therapeuten nutzte die Rückmeldungen für die Therapie und besprach die Ergebnisse mit den Patienten. Konsistent mit der Literatur zu Rückmeldungen in die Psychotherapiepraxis ließen sich frühzeitig im Therapieverlauf durch das Feedbacksystem prädiktive Verlaufsmuster identifizieren. Ferner war die Patientenzufriedenheit in der IG höher (Effektstärke: d = 0.27). Die Behandlungsdauer der IG lag im Rahmen der sich in den unterschiedlichen Kontrollgruppen der Versorgungspraxis ergebenden Behandlungsdauer. Die Zufriedenheit mit dem Modellprojekt ist bei den Patienten am höchsten. Die Patienten erlebten den Einsatz der Rückmeldungen bei vertretbarem Zeitaufwand als wichtig und hilfreich und mit der eigenen Einschätzung übereinstimmend. Die Befunde unterstreichen die Bedeutung von Qualitätssicherungs- und Rückmeldesystemen in der ambulanten Psychotherapie.


Author(s):  
Christoph Klimmt

This comment briefly examines the history of entertainment research in media psychology and welcomes the conceptual innovations in the contribution by Oliver and Bartsch (this issue). Theoretical perspectives for improving and expanding the “appreciation” concept in entertainment psychology are outlined. These refer to more systematic links of appreciation to the psychology of mixed emotions, to positive psychology, and to the psychology of death and dying – in particular, to terror management theory. In addition, methodological challenges are discussed that entertainment research faces when appreciation and the experience of “meaning for life” need to be addressed in empirical studies of media enjoyment.


Author(s):  
Laramie D. Taylor

Research has shown that thoughts about death influence sexual cognitions and some media choices. The present study tested the hypothesis that thoughts about death may affect individuals’ tendency to select or avoid entertainment media programming containing sexual material. In two experiments, thoughts about death (mortality salience [MS]) were manipulated before college undergraduates expressed interest in viewing television shows and movies with varying amounts of sexual content. In both studies, MS was associated with greater overall interest in sexual media content. Although terror management theory would indicate that sexual worldview should moderate this effect, this was not observed to be the case. In addition, MS was not found to affect interest in other types of highly engaging media content including violent and dramatic content. Limitations regarding generalizability are discussed. Results suggest that MS increases a preference for sexual media content, and that this occurs for individuals with diverse sexual values systems. This is discussed in terms of implications for terror management theory and cognitive models of media influence.


2015 ◽  
Vol 46 (6) ◽  
pp. 352-360 ◽  
Author(s):  
Simon Schindler ◽  
Marc-André Reinhard

Abstract. Research on terror management theory has found evidence that people under mortality salience strive to live up to activated social norms and values. Recently, research has shown that mortality salience also increases adherence to the norm of reciprocity. Based on this, in the current paper we investigated the idea that mortality salience influences persuasion strategies that are based on the norm of reciprocity. We therefore assume that mortality salience should enhance compliance for a request when using the door-in-the-face technique – a persuasion strategy grounded in the norm of reciprocity. In a hypothetical scenario (Study 1), and in a field experiment (Study 2), applying the door-in-the-face technique enhanced compliance in the mortality salience condition compared to a control group.


2006 ◽  
Author(s):  
Molly Maxfield ◽  
Tom Pyszczynski ◽  
Jeff Greenberg ◽  
Sheldon Solomon ◽  
David Weise

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