Prognosefaktoren bei operablem Brustkrebs unter neoadjuvanter Chemotherapie: Auf dem Weg zu einer Quantifizierung der Residualerkrankung
Ziel: Die neoadjuvante Chemotherapie (NACT) ermöglicht es, häufiger brusterhaltend zu operieren; außerdem stellt sie ein In-vivo-Modell für die individuelle Tumorsensitivität dar und erlaubt so die Erkennung neuer prognostischer Faktoren für die Personalisierung der Therapie. Methoden: Zwischen 2000 und 2012 wurden 318 Patientinnen mit primärem invasivem Mammakarzinom mit im Median 6 Zyklen NACT behandelt; sie erhielten entweder ein anthracyklinhaltiges FEC-100-Protokoll (31,1%) oder Anthracykline + Taxane (53,5%), bei entsprechender Indikation zusätzlich auch Trastuzumab (15,4%). Ergebnisse: Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 44,2 Monaten betrug die Rate pathologisch gesicherter Vollremissionen gemäß der Klassifikation von Chevallier et al. (Am J Clin Oncol 1993;16:223-228) 19,3%, und die 10-Jahres-Raten des Gesamtüberlebens (OS) und des krankheitsfreien Überlebens (DFS) betrugen 60,2 bzw. 69,6%. Univariate Analysen belegten, dass der RDBN-Index (RDBN = Residual Disease in Breast and Nodes) der signifikanteste Prognosefaktor für das OS (p = 0,0082) und DFS war (p = 0,0022), während multivariate Analysen vor allem ergaben, dass das Volumen des Residualtumors, die Anzahl residualer befallener Lymphknoten sowie der Scarff-Bloom-Richardson(SBR)-Grad nach Chemotherapie die signifikantesten prognostischen Faktoren waren. Schlussfolgerungen: In einer Kohorte von Patientinnen, die allesamt mit einigen der gängigsten medikamentösen Brustkrebs-Therapien behandelt wurden, wiesen wir nach, dass eine NACT zusätzliche prognostische Faktoren liefern und den RDBN-Index bestätigen kann. Da dieser Index wiederum Vorhersagen in Bezug auf das Überleben bei verschiedenen Brustkrebs-Subtypen erlaubt, schlagen wir vor, ihn standardmäßig zu berechnen, um Kliniker bei der Auswahl von Kandidatinnen für eine adjuvante Therapie zu unterstützen. Übersetzung aus Mombelli S, et al: Prognostic factors in operable breast cancer treated with neoadjuvant chemotherapy: towards a quantification of residual disease. Oncology 2015;88:261-272 (DOI: 10.1159/000368557)